Wie eine "einfache" Autoanmeldung zum Albtraum werden kann (inkl. Case Study was du nicht falsch machen darfst)

KFZ-Versicherung Trojanisches Pferd

Was hat die KFZ-Versicherung und das trojanische Pferd gemeinsam?

Du kennst diese Geschichte aus der griechischen Mythologie. Das trojanische Pferd. Die Griechen haben bereits 10 Jahre erfolglos im Trojanischen Krieg gekämpft. Als letzten Ausweg bauten sie ein hölzernes Pferd. In dem Pferd versteckte sich ein kleiner Teil der Krieger der Griechen. Nachdem die Trojaner das Pferd in die Stadtmauern zogen, schlichen sich die griechischen Krieger in der Nacht aus dem Pferd und öffneten die Stadttore für die restlichen Griechen. Troja ging unter.

Doch warum zogen die Trojaner das Pferd in die Stadtmauern?

Einer der Griechen erzählte den Trojanern, die Besitzer des Pferdes seien unschlagbar. Das Kunstwerk sei ein Geschenk der Griechen an die Götter.

Stufengeschenke in der KFZ-Versicherung sind wie ein trojanisches Pferd

Im ersten Moment wirkt es wie ein Geschenk Gottes. Es macht dich zwar nicht unschlagbar aber es wirkt wie eine riesige Ersparnis. Wenn du es dir aber im Detail ansiehst dann ist es tatsächlich ein trojanisches Pferd.

Das ist das Problem bei Stufengeschenken

In einem Großteil der Fälle sind Stufengeschenke immer nur in Verbindung mit dem Abschluss weiterer Versicherungen möglich. Gleichzeitig stehst du unter Zeitdruck…

Das neue Auto (vielleicht sogar das erste eigene) soll so schnell wie möglich angemeldet werden. Durch den Zeitdruck machst du’s dann einfach. Das Stufengeschenk wirkt so gut und die anderen Versicherungen wolltest du eh auch mal machen.

In Wahrheit zahlst du vermutlich viel zu viel

Denn keine Gesellschaft ist überall gut. Während du bei der KFZ-Haftpflicht und Kasko scheinbar sparst zahlst du bei anderen Versicherungen im Preis/Leistungsverhältnis zu viel. Sehen wir uns ein echtes Beispiel an.

Case Study - Ein scheinbar guter Deal

Christoph (wir haben den Namen geändert, der Rest stimmt 😉 ) hat sein Studium gerade abgeschlossen. Im neuen Job braucht er ein Auto. Das neue Auto wollte er unbedingt noch diese Woche anmelden. Von der Versicherung XY kriegt er in Aussicht gestellt, dass er die 0er Stufe bekommt, falls er die “anderen” Versicherungen auch bei Ihnen macht.

Christoph dachte er hat einen super Deal

Folgendes hat ihm die Gesellschaft angeboten:

  • KFZ-Haftpflichtversicherung + Kasko 160,– pro Monat
  • Rechtsschutzversicherung (nur Auto) 6,– pro Monat
  • Unfallversicherung 48,– pro Monat
  • Haushaltsversicherung 4,50 pro Monat

Christoph hat zugeschlagen. Die 0er Stufe war’s dann doch nicht, sondern die 4er Stufe. In der 9er Stufe hätte bei dieser Gesellschaft das Auto alleine 229,– € gekostet.

Das hört sich doch trotzdem genial an…

Er zahlt insgesamt weniger als in der 9er Stufe und hat dafür eine Rechtsschutz-, Unfall-, und Haushaltsversicherung.

Leider ist es im Detail betrachtet stark nachteilig für ihn.

Das wäre möglich gewesen

  • KFZ-Haftpflicht und Kasko 167,– pro Monat
  • Rechtsschutz 10– € pro Monat (Gesamtpaket; nicht nur Auto)
  • Unfallversicherung 20,– € pro Monat (mit viel besseren Leistungen als oben)
  • Haushalt 4,5 pro Monat (mit besseren Leistungen als oben)

Der KFZ-Versicherer wäre nicht derselbe gewesen wie bei Rechtsschutz, Unfall und Haushalt. Die Haftpflicht und Kasko ist in der 9er Stufe. Er hätte in allen Bereichen den absoluten Topanbieter mit den besten Bedingungen.

Bei der KFZ-Versicherung wäre es vermutlich sogar noch möglich gewesen 1-2 Stufen beim Bestbieter zu bekommen – OHNE Zusatzversicherung.

Das hätte nochmal 100-200 € pro Jahr gespart.

Wenn du dir das im Detail ansiehst, dann hat Christoph eigentlich folgendes gemacht

Er ging einkaufen und benötigte unbedingt frische Eier. Im Lebensmittelgeschäft bekam er dann das Angebot, dass er die Eier verbilligt bekommt, wenn er noch Bananen, Äpfel und ein Huhn dazunimmt. Es wird sogar günstiger. Das ist ja ein No-Brainer.

Doch zuhause hat er dann bemerkt, dass die Bananen, Äpfel und das Huhn verdorben sind, er sie aber essen muss. Er kann sie nicht wegschmeißen. Wenn er frische und gute Ware will, muss er wieder dafür bezahlen.

Das ist der versteckte, aber gravierende Nachteil

Was heißt das konkret in dem Fall? Nehmen wir an Christoph hat einen Unfall und verliert seinen Daumen. Bei seiner teuren Unfallversicherung (Variante 1 von oben) bekommt er dafür jetzt 40.000 €. Bei der günstigeren und besseren Variante 2 hätte er 350.000 € dafür bekommen. Das wird zu einem Albtraum.

Kann er die KFZ-Versicherung zumindest früher umstellen?

Das geht tatsächlich. Wenn er in der Kasko keine 3-Jahresbindung hat, dann kann er die KFZ-Versicherung zumindest nach 1 Jahr umstellen. Er wird sich dadurch ein paar hundert Euro sparen im Jahr. Denn es gibt Versicherer die die Stufengeschenke ebenfalls übernehmen. Die verdorbenen anderen Versicherungen bleiben aber jedenfalls noch 2 Jahre.

Vielleicht wäre generell eine andere Lösung möglich gewesen

Wenn’s um die KFZ-Versicherung und die Einstufung geht sind auch noch andere Faktoren entscheidend. Hier sind 2 Möglichkeiten wie du zu einer günstigeren Stufe kommst OHNE bei der selben Gesellschaft schwache Produkte zu kaufen.

  • Kannst du vielleicht die Stufe von deinem Papa oder deiner Mama übernehmen?
    Das geht vor allem recht problemlos, falls du das Zweitauto übernimmst.
  • Hat deine Freundin oder dein Freund ein Auto angemeldet?
    Bei welcher Gesellschaft? Bei manchen Gesellschaften gibt’s Stufengeschenke für die “Familie”.

So etwas muss gecheckt werden bevor du irgendetwas machst.

Aber es gibt auch Fälle bei denen zusätzliche Versicherungen für Stufengeschenke Sinn machen

Es muss nicht immer so nachteilig sein…

1. Szenario

Nehmen wir an Christoph hätte wirklich die 0er Stufe bekommen und es hätte ausgereicht, wenn er die Rechtsschutzversicherung beim selben Anbieter abschließt. Das hätte ihm nochmal ca. 30% bei der KFZ-Versicherung gespart. Nach dem ersten Jahr stellt er die KFZ-Versicherung auf den Bestbieter um (WICHTIG: Unbedingt vereinbaren, dass die Kaskoversicherung nach 1 Jahr kündbar ist). Der Rechtsschutz ist das “Opfer”, dass er bringt.

Sobald du aber Lebensversicherungen und Unfallversicherungen oder einfach mehrere zusätzliche Versicherungen abschließen musst kannst du davon ausgehen, dass dir verdorbene Ware angedreht wird.

2. Szenario

Wenn du zum Beispiel Stufen geschenkt bekommst durch eine zusätzliche Versicherung oder Vorsorge und der Anbieter ist genau bei dem Thema der absolute Top-Anbieter.

Wir verhandeln laufend mit den Top-Anbietern im Vorsorgebereich die Möglichkeit aus, durch den Abschluss einer Vorsorge zusätzlich Stufengeschenke zu bekommen. Das macht natürlich nur Sinn, wenn der Vorsorgebaustein für dich sinnvoll ist und passt.

Das Schlimmste haben wir noch gar nicht erwähnt

Was wäre wenn Christoph nie bewusst wird, dass der vermeintliche Top-Deal eigentlich ein mieser Deal ist? Er hätte vermutlich nicht 3 Jahre zu viel für zu wenig Leistung bezahlt. Richtig bewusst wäre es ihm gar nie geworden.

Im Worst Case stellt er die Unfallversicherung nie um, da er gar nicht weiß was möglich ist. Dann hat er wirklich einen Unfall mit schweren Folgen… Und das alles nur wegen einer KFZ-Versicherung die schnell abgeschlossen werden musste.

Hier nochmal in Kurzform was du wissen musst

  • Entscheide nie unter Zeitdruck. Durchatmen und die Situation wirklich genau analysieren. Was im ersten Moment als super Deal wirkt, kann sich als stark nachteilig herausstellen. Keine Gesellschaft ist in jeder einzelnen Sparte richtig gut.
  • Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten um eine niedrige Stufe zu bekommen. Gibt es Nachlässe im Familienverbund oder kannst du eine Stufe übernehmen?
  • In Ausnahmefällen kann ein Stufengeschenk sinnvoll sein – zB wenn du beim Topanbieter eine einzelne Versicherung zusätzlich machen musst. Aber auch dann nur wenn du die sowieso machen wolltest. Oder wenn das “Opfer”, das du für die bessere Stufe machen musst sehr gering ist (nur eine kleine Rechtsschutz zum Beispiel).

Also… Zieh dir kein trojanisches Pferd in dein Haus (bzw. Auto 😉 ).

Deine nächsten Schritte

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Autor: Florian Märzendorfer

Fan von indischem Essen, Finanzplaner & Co-Founder von FiP.S.

Hasst Strandurlaube.