Private Pflegeversicherung in Österreich: Wann sie sich lohnt | FiP.S

Private Pflegeversicherung in Österreich: Was du wissen solltest

Private Pflegeversicherung in Österreich: Was du wissen solltest

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Thema Pflegeversicherung. Worauf kommt es an? Was musst du über die private Pflegeversicherung in Österreich wissen?

Die wichtigsten Erkenntnisse
  • Pflegebedürftig heißt: Du bist wegen Krankheit, Kräfteverfall oder Verletzung mindestens 6 Monate in erheblichem Umfang auf fremde Hilfe angewiesen. Das staatliche System teilt das in 7 Pflegestufen ein. Je höher die Stufe, desto mehr Pflegestunden und desto mehr Pflegegeld.
  • Das staatliche Pflegegeld reicht in den meisten Fällen nicht für eine vernünftige Betreuung. Bei einer 24-Stunden-Betreuung bleibt trotz Pflegegeld, Förderung und Pension schnell eine Lücke von mehreren hundert Euro pro Monat.
  • Die private Pflegeversicherung zahlt dir im Pflegefall eine monatliche Rente zusätzlich zum staatlichen Pflegegeld. Es gibt zwei Modelle: Anlehnung an die staatliche Pflegestufensystematik und ADL (ein Punktesystem: Für vier Alltagstätigkeiten, die du nur mit fremder Hilfe schaffst, gibt es je einen Punkt. Je mehr Punkte, desto höher die Leistung).
  • Bedingungstechnisch ist ADL inklusive Pflegestufensystematik die beste Variante. Aktuell gibt es in Österreich aber nur Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen und keinen richtig guten ADL-Tarif. Achte in jedem Fall auf die explizite Nennung der Stunden statt der reinen Pflegestufe.
  • Je früher du abschließt, desto günstiger. Ein 25-Jähriger zahlt in unserem Beispiel rund 21 € im Monat, ein 55-Jähriger rund 90 €. Die „Mehrkosten“ des frühen Abschlusses sind nach rund 9 Jahren aufgeholt und dein Gesundheitszustand ist mit 25 meist auch noch keiner, der Zuschläge auslöst.
  • Du brauchst keine Pflegeversicherung, wenn du die Pflegelücke problemlos aus vorhandenem Vermögen decken kannst und willst. Dann ist sie eher Bequemlichkeit und kein Muss.
Was hat ein Eiswürfel mit Pflege und der Pflegeversicherung zu tun?

Stell dir vor du hast einen Eiswürfel. Diesen Eiswürfel lagerst du bei -20 Grad Celsius. Jetzt erhöhst du langsam die Temperatur. -15 Grad. Nichts passiert. -10 Grad. Nichts passiert. -5 Grad. Es passiert noch immer nichts. 0 Grad. Ahh. Der Eiswürfel beginnt zu schmelzen.

Egal bei wie viel Minusgraden du startest. Wenn du kontinuierlich die Temperatur erhöhst, dann ist es irgendwann soweit: Der Eiswürfel schmilzt. Wenn du ganz plötzlich auf 0 Grad oder mehr stellst, dann beginnt der Eiswürfel sofort zu schmelzen.

Wenn’s um Pflege geht, dann ist das sehr ähnlich

Keine Angst, das macht gleich Sinn ? Der Eiswürfel bist in dem Fall du. Der Schmelzpunkt repräsentiert die Pflegebedürftigkeit. Im Gegensatz zu unserem Eiswürfel-Experiment kennen wir unseren Startpunkt (die Anfangstemperatur) allerdings nicht und wir wissen nicht wie schnell die Temperatur erhöht wird. Eines ist aber klar…

Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass wir irgendwann pflegebedürftig sind

Genau wie bei unserem Eiswürfel. Wenn wir kontinuierlich die Temperatur erhöhen dann ist der Schmelzpunkt irgendwann erreicht. Es kann schnell gehen. Die Temperatur wird plötzlich auf 20 Grad Plus gestellt. Du hast einen blöden Unfall und bist von einer Sekunde auf die andere pflegebedürftig. Der Eiswürfel ist geschmolzen.

Es kann sehr lange dauern. Du bist dein ganzes Leben mehr oder weniger gesund, aber mit 85 Jahren wirst du pflegebedürftig. Die Temperatur wurde beim Eiswürfel nur sehr, sehr langsam erhöht, doch irgendwann kamen wir bei den 0 Grad an.

Und dann gibt es noch die Eiswürfel die Glück haben. Bei ihnen wird die Erhöhung der Temperatur vor 0 Grad gestoppt. Der Eiswürfel schmilzt nie. Wir werden nie pflegebedürftig.

Nachdem wir nicht wissen ob bei uns die Temperatur langsam, schnell oder irgendwann gar nicht mehr erhöht wird, geht es darum sich gegen die Szenarien, die mit Pflegebedürftigkeit enden, finanziell abzusichern. Und genau darum geht’s in diesem Artikel.

Starten wir mit den Basics…

Was das staatliche Pflegegeld leistet – und wo die Lücke entsteht

Was das staatliche Pflegegeld leistet – und wo die Lücke entsteht

Bei der Pflegeversicherung geht es darum, genug Geld für deine Versorgung und Betreuung zu haben, wenn du ein Pflegefall wirst. Ja, der Gedanke, dass du mal Pflege benötigst ist vermutlich sehr weit weg. Jetzt bist du gesund und aktiv und stehst voll im Leben. Doch genau das kann sich ändern. Manchmal sehr schnell, manchmal sehr langsam, selten nie.

Aber was bedeutet überhaupt „Pflege zu benötigen“?

Generell giltst du als pflegebedürftig, wenn du infolge von Krankheit, Kräfteverfall, oder Verletzung so hilflos bist, dass du deinen Alltag mindestens 6 Monate lang nicht mehr allein bestreiten kannst und in einem erheblichen Umfang auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen bist.

Dass das Thema größer wird, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Unsere Lebenserwartung steigt, 90 zu werden ist immer seltener die Ausnahme. Aber wir sind keine Vampire, die einfach ewig leben (außer die Sonne oder ein Holzpflock erwischt sie). Wir werden nicht alle ohne Probleme so alt. Heute beziehen in Österreich gut eine halbe Million Menschen Pflegegeld, vor rund 25 Jahren war es nur etwa die Hälfte. Tendenz steigend: Für 2030 wird mit rund 800.000 pflegebedürftigen Menschen gerechnet. Den Staat kostet das Thema Pflege mittlerweile über 3,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Und dass die jährliche Anpassung des Pflegegelds mit den real steigenden Pflegekosten Schritt hält? Darauf solltest du nicht wetten ?

Wie die 7 Pflegestufen funktionieren

Das staatliche System sieht 7 Pflegestufen vor. Die erste Stufe bedeutet, dass man mehr als 65 Stunden pro Monat Pflege benötigt. In Stufe 7 benötigt man mehr als 180 Stunden. Je höher die Stufe, desto höher das Pflegegeld:

Pflegestufe
Pflegebedarf pro Monat
Pflegegeld monatlich
Pflegestufe 1
Pflegebedarf: mehr als 65 Stunden
Pflegegeld: 206,20 €
Pflegestufe 2
Pflegebedarf: mehr als 95 Stunden
Pflegegeld: 380,30 €
Pflegestufe 3
Pflegebedarf: mehr als 120 Stunden
Pflegegeld: 592,60 €
Pflegestufe 4
Pflegebedarf: mehr als 160 Stunden
Pflegegeld: 888,50 €
Pflegestufe 5
Pflegebedarf: mehr als 180 Stunden(außergewöhnlicher Pflegeaufwand)
Pflegegeld: 1.206,90 €
Pflegestufe 6
Pflegebedarf: mehr als 180 Stunden(zeitlich unkoordinierbare Betreuung)
Pflegegeld: 1.685,40 €
Pflegestufe 7
Pflegebedarf: mehr als 180 Stunden(praktische Bewegungsunfähigkeit)
Pflegegeld: 2.214,80 €

Die Beträge werden jährlich an die Inflation angepasst. Die Werte hier sind der Stand 2026. Anspruchsberechtigt ist man, wenn der Betreuungsaufwand mindestens 6 Monate andauert. Bei der Einstufung verwendet der Staat pauschale Zeitwerte für die einzelnen Tätigkeiten. Das Reinigen der Wohnung, das Wäschewaschen und das Besorgen von Nahrungsmitteln und Medikamenten werden zum Beispiel mit je 10 Stunden pro Monat bewertet. Dazu kommen pauschale Zeitwerte für die tägliche Körperpflege, die Einnahme von Mahlzeiten und so weiter.

Was ist jetzt ein typischer Pflegefall in den verschiedenen Stufen?

Schwerbehinderte Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, fallen unter Pflegestufe 3, 4 oder 5.

Hochgradig sehbehinderte Menschen fallen unter Pflegestufe 3, während Blinde unter Pflegestufe 4 fallen. Wenn du taub und blind bist, dann fällst du unter Pflegestufe 5. Wenn du bettlägerig und pflegebedürftig bist, dann fällst du unter Stufe 6 und 7. Autonomieverlust infolge von Demenz fällt ebenfalls unter Stufe 6 oder 7.

Ich weiß, wenn du diese Liste liest, dann verursacht das kein Freudegefühl

Die Idee der privaten Pflegeversicherung ist jetzt zusätzlich zum staatlichen Pflegegeld eine private Pflegerente zu bekommen. Ob diese Pflegerente verwendet wird, um eine Pflegekraft anzustellen oder Angehörige finanziell zu entlasten ist egal. Sehen wir uns jetzt an, was Pflege tatsächlich kostet und wie groß die Lücke ist, die trotz staatlichem Pflegegeld übrig bleibt.

Gerade nicht genug Zeit zum Lesen?
HOL DIR DEN ARTIKEL ALS PDF:
Wolke mit Downloadpfeil

Was Pflege in Österreich wirklich kostet

Was Pflege in Österreich wirklich kostet

Eine auf den Cent genaue individuelle Rechnung wird für junge Menschen vermutlich fast unmöglich sein. Allerdings kann man sich annähern.

Nehmen wir an jemand ist 74 Jahre alt und hat Pflegestufe 3. Er bekommt also rund 590 € monatlich vom Staat. Eine 24-Stunden-Betreuung durch eine selbständige Betreuungskraft kostet realistisch eher 2.500 bis 3.500 € pro Monat.

Womöglich ist man zusätzlich anspruchsberechtigt für die staatliche Förderung der 24-Stunden-Betreuung. Die liegt aktuell bei rund 800 € im Monat (für zwei selbständige Betreuungskräfte, ab Pflegestufe 3).

Und natürlich entstehen weiter Lebenshaltungskosten: Auch als Pflegefall brauchst du Geld für Lebensmittel, Miete, Betriebskosten und anderes. Nehmen wir hier pauschal 700 bis 1.000 € an.

Ein Pflegeheim kostet übrigens noch einmal deutlich mehr, je nachdem, ob es staatlich oder privat ist. Der Zugang zu öffentlichen Heimen ist aber begrenzt und an Voraussetzungen gebunden.

Warum das staatliche Pflegegeld in den meisten Fällen nicht ausreicht

Rechnen wir das mit Daumenwerten einmal durch (konservativ mit dem unteren Betreuungswert):

  • Pflegebedarf (24-Stunden-Betreuung): rund 2.500 €
  • Lebenshaltungskosten: rund 700 €
  • Gesamtkosten pro Monat: rund 3.200 €

Davon ziehen wir ab:

  • Pflegegeld vom Staat (Stufe 3): rund 590 €
  • 24-Stunden-Förderung (falls anspruchsberechtigt): rund 800 €

Übrig bleibt: rund 1.810 € an Kosten.

Was haben wir noch nicht abgezogen?

Natürlich bekommen wir in den meisten Fällen auch eine staatliche Alterspension. Allerdings werden alle Personen die nicht jetzt schon 50+ sind eine drastisch geringere Pension vom Staat bekommen als die Pensionisten von heute. Wir verwenden bei Altersvorsorgeberechnungen gerne 1.000 € Basispension als Richtwert. Ziehen wir die ab, landen wir bei rund 800 € Lücke pro Monat.

Falls du beim Thema Pension gerade hellhörig geworden bist: Warum du dich auf die staatliche Pension allein nicht verlassen solltest, liest du in unserem Artikel zur Pensionsvorsorge in Österreich. Wie viel musst du fürs Alter sparen? haben wir ebenfalls im Detail durchgerechnet. Und deine eigenen Zahlen kannst du direkt in unseren Pensionsvorsorgerechner werfen.

Im Großteil der Fälle bleibt beim Wunsch auf eine vernünftige Betreuung eine Pflegelücke übrig. Die kann jetzt natürlich durch privates Vermögen gedeckt werden (durch das eigene, oder durch das der Kinder), falls das ausreicht bzw. gewünscht wird. Vielleicht denkst du jetzt auch an Instrumente wie die staatliche Höherversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge, um deine Pension aufzubessern. Warum beide meist nicht die erste Wahl sind, liest du in den verlinkten Artikeln. Die Alternative dazu ist die private Pflegeversicherung.

Was eine private Pflegeversicherung in Österreich abdeckt und wie sie funktioniert

Lupe mit Vertrag: Was eine private Pflegeversicherung in Österreich abdeckt

Generell kann man bei der privaten Pflegeversicherung zwischen zwei Modellen unterscheiden:

  • Pflegestufensystematik (Anlehnung an die gesetzliche Pflegestufe)
  • Activities of Daily living (kurz: ADL)

Die zwei Modelle beschreiben wie festgestellt wird, ob eine Leistung ausbezahlt wird oder nicht.

Wie die Leistung im Pflegefall ausgezahlt wird

Die Leistung ist bei den meisten Modellen eine monatliche Rente. Manchmal auch zusätzlich mit einer kleinen Einmalleistung bei Eintritt des Pflegefalls. Auch hier gilt: Du musst mindestens sechs Monate pflegebedürftig sein, um anspruchsberechtigt zu sein. Wie hoch die Rente ist, bestimmst du beim Abschluss zu einem großen Teil selbst. Je höher, desto teurer.

Ab welcher Pflegestufe greift die Versicherung?

In den üblichen Beispielen beginnt die private Rente ab Pflegestufe 3. In den Stufen 1 und 2 gibt es in diesen Tarifen also noch keine Leistung, ab Stufe 3 steigt sie dann mit jeder Stufe an.

Die zwei Modelle im Vergleich: Pflegestufen-Anlehnung vs. ADL

Die Einstufung nach Pflegestufensystematik ist an die staatliche Einstufung angelehnt. Vereinfacht: Der Staat stuft dich in Pflegestufe 3 ein. Zusätzlich zum staatlichen Pflegegeld bekommst du dann von der Versicherung eine monatliche Rente. Die steigt mit der Pflegestufe, genau wie beim Staat. So könnte das zum Beispiel aussehen:

  • Pflegestufe 3: rund 400 €
  • Pflegestufe 4: rund 600 €
  • Pflegestufe 5: rund 800 €
  • Pflegestufe 6: rund 1.200 €
  • Pflegestufe 7: rund 1.600 €

Diese Beträge wählst du selbst.

Eine wichtige Unterscheidung zwischen den Anbietern gilt es zu beachten

Manche Anbieter richten sich wirklich rein nach der staatlichen Pflegesystematik. Stuft dich der Staat in Pflegestufe 3 ein, dann dient das als Basis für die private Einstufung. Das inkludiert auf lange Sicht natürlich ein Problem: Was ist, wenn der Staat jemals die Stundenanzahl anpasst? Pflegestufe 3 gilt zum Beispiel erst ab 160 Stunden, statt wie bisher bei 120 Stunden. Das wäre eher suboptimal…

Dieses Problem besteht nicht, wenn in den Bedingungen die Stundenanzahl als Basis dient

Deshalb ist die explizite Nennung von Stunden zu bevorzugen. Das bedeutet, dass in den Bedingungen zum Beispiel 120 Stunden Pflegebedarf genannt werden, um Betrag X zu bekommen. Egal was die staatliche Einstufung sagt. Wenn sich dann beim staatlichen System die Stunden ändern, dann stört uns das nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das staatliche System zum Besseren für dich ändert ist unwahrscheinlich. Deshalb nochmals: Die explizite Nennung der Stunden ist zu bevorzugen.

Das zweite Modell richtet sich nach den ADL

Hier wird die Pflegebedürftigkeit über ein Punktesystem eingeteilt. Verkürzt geht es um vier Tätigkeiten, für die es je einen Punkt gibt, wenn du dabei die Hilfe einer anderen Person brauchst:

  • Fortbewegen im Zimmer (auch mit Gehhilfe oder Rollstuhl)
  • Aufstehen und Zubettgehen
  • Einnehmen von Mahlzeiten und Getränken (auch mit krankengerechtem Besteck oder Geschirr)
  • Verrichtung der Notdurft

Je nachdem, wie viele Punkte zutreffen (1, 2, 3 oder 4), bekommst du die Leistung. Eine typische Einstufung im Vergleich zum Pflegestufensystem sieht so aus:

  • 1 Punkt = Pflegestufe 3
  • 2 Punkte = Pflegestufe 4
  • 3 oder 4 Punkte = Pflegestufe 5 bis 7

Beim ADL-Modell gilt zusätzlich die staatliche Pflegestufe: Bist du laut Staat in Stufe 3, erfüllst aber keinen der vier ADL-Punkte, bekommst du trotzdem deine Pflegerente. Rein bedingungstechnisch ist die Bewertung nach ADL (inklusive Pflegestufensystematik) also zu bevorzugen.

Pflegestufen-Modell
So wird eingestuftAngelehnt an die staatliche Pflegestufe. Besser: Tarife, die in den Bedingungen die Stunden explizit nennen (z. B. mehr als 120 Stunden Pflegebedarf).
LeistungMonatliche Rente, meist ab Pflegestufe 3. Steigt mit jeder Stufe.
VorteilDeutlich günstigere Prämie.
NachteilBei reiner Anlehnung an die Stufe bist du davon abhängig, ob der Staat seine Stundengrenzen irgendwann ändert.
Verfügbarkeit in ÖsterreichStandard am Markt
ADL-Modell
So wird eingestuftPunktesystem: Für vier Alltagstätigkeiten (Fortbewegen, Aufstehen & Zubettgehen, Essen & Trinken, Notdurft) gibt es je einen Punkt, wenn du Hilfe brauchst.
LeistungSteigt mit der Punktezahl. Die staatliche Pflegestufe gilt zusätzlich als Auslöser.
VorteilBedingungstechnisch die beste Variante (ADL inklusive Pflegestufensystematik).
NachteilSpürbar teurer.
Verfügbarkeit in ÖsterreichAktuell praktisch nicht – nur Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen

Was eine private Pflegeversicherung in Österreich kostet

Kosten private Pflegeversicherung in Österreich

Ganz so einfach ist das nicht zu sagen. Weil es verschiedene Modelle gibt und die Pflegeversicherung sehr stark individualisierbar ist, machen wir ein paar Beispiele.

Welche Faktoren den Preis bestimmen

Der Preis hängt vor allem ab von:

  • dem Modell (Pflegestufensystematik oder ADL),
  • der Höhe der Rente,
  • und ab welcher Stufe bzw. ab wie vielen Punkten du 100 % der Rente bekommst.

Dazu kommen dein Alter und dein Gesundheitszustand. Je jünger und gesünder, desto günstiger. Vorerkrankungen können zu Zuschlägen führen oder dazu, dass eine Versicherung gar nicht mehr möglich ist.

Typische Preisspannen nach Alter und Leistungsumfang

Starten wir mit einer Versicherung nach der staatlichen Pflegestufensystematik. Hier zwei Beispiel-Varianten (Rente pro Monat, je nach Stufe):

  • Variante 1 – Stufe 3: 200 € / Stufe 4: 300 € / Stufe 5: 400 € / Stufe 6: 600 € / Stufe 7: 800 €
  • Variante 2 – Stufe 3: 400 € / Stufe 4: 600 € / Stufe 5: 800 € / Stufe 6: 1.200 € / Stufe 7: 1.600 €

Die monatliche Prämie dafür (grobe Richtwerte):

  • Mit 25 Jahren: rund 11 € (Variante 1) bzw. 21 € (Variante 2)
  • Mit 35 Jahren: rund 19 € bzw. 38 €
  • Mit 55 Jahren: rund 45 € bzw. 90 €

Du siehst, wie stark die Prämie steigt, je später du abschließt. Mit 55 zahlst du bei Variante 2 rund 90 €. Also etwa 69 € mehr pro Monat als mit 25. Natürlich hat unsere 25-jährige Person 30 Jahre lang etwas bezahlt: über die Zeit rund 7.560 €. Diese „Mehrkosten“ sind aber innerhalb von rund 9 Jahren aufgeholt. Ab dann spart der frühe Abschluss jeden Monat rund 69 € gegenüber der Person, die erst später eingestiegen ist. Die Prämie zahlst du übrigens lebenslang, außer im Pflegefall, dann entfällt sie.

Und eines ist in dieser Rechnung gar nicht berücksichtigt: der Gesundheitszustand mit 55. Kommt es zu Zuschlägen wegen Vorerkrankungen, ist der frühe Vertrag noch früher günstiger. Und ist wegen der Vorerkrankungen gar keine Versicherung mehr möglich, erübrigt sich die Rechnung ganz.

Sehen wir uns noch ein Rechenbeispiel für ein ADL-Modell an

Hier versichern wir folgendes Szenario:

  • Leistungsstufe I (1 Punkt nach ADL oder Pflegestufe 3): 400 €
  • Leistungsstufe II (2 Punkte oder Pflegestufe 4): 800 €
  • Leistungsstufe III (3 oder 4 Punkte oder Pflegestufe 5–7): 1.600 €

Die Prämie hier (grobe Richtwerte):

  • Mit 25 Jahren: rund 92 €
  • Mit 35 Jahren: rund 114 €
  • Mit 55 Jahren: rund 215 €

Die Auszahlungen sind hier insgesamt etwas besser als im Beispiel davor. Dafür schreckt dich vermutlich die Prämie ? In diesem Fall handelt es sich um ein Kombinationsprodukt. Es ist einerseits eine klassische Pflegerentenversicherung, andererseits sparst du hier auch etwas an. Und das führt zu etwas, das es im ersten Beispiel nicht gibt: einem Rückkaufswert.

Rückkaufswert – gibt es den bei der Pflegeversicherung?

Bei solchen Kombi-Varianten entsteht tatsächlich ein Rückkaufswert. Bei der Variante des 25-Jährigen wären das mit 75 Jahren (bei vernünftiger Performance) rund 50.000 € verfügbarer Gewinnanteil. Den kannst du entnehmen oder nicht. Versichert bleibst du in beiden Fällen (außer, du kündigst die gesamte Versicherung).

Die Prämie zahlst du bei dieser Variante bis 85 (sofern du vorher nicht zum Pflegefall wirst). Danach bist du weiter versichert, zahlst aber nichts mehr. Stirbst du, bevor du pflegebedürftig wirst, bekommen deine Angehörigen den Rückkaufswert. Und du kannst die Versicherung jederzeit kündigen und bekommst dann sogar noch mehr zurück. Solange du noch nicht pflegebedürftig bist.

Etwas makaber, aber durchaus bedenkenswert: Der Rückkauf wird spannend, wenn du eine Diagnose bekommst, die dir nur noch wenige Jahre voraussagt. Dann ist es fast immer besser, das angesammelte Geld auf einen Schlag herauszunehmen.

ACHTUNG: Aktuell gibt es das Produkt, das ich hier kalkuliert habe nicht mehr. Es existieren zwar noch Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen (da dient z. B. eine von vier definierten Verrichtungen des täglichen Lebens als Auslöser für die Leistung), aber eine richtig vernünftige Variante mit echter ADL-Systematik samt Staffelung gibt es in Österreich derzeit praktisch nicht. Dies ändert sich hoffentlich zeitnah wieder.

Smarte Finanzplanung beginnt hier.
Ultimativer Guide.
Hol dir jetzt das PDF!

Vorsorge, Versicherung & Anlage leicht gemacht – speziell für Uni- und FH-Absolventen. Sag‘ uns einfach wo wir’s hinsenden sollen. Wir halten dich mit regel-mäßigen Updates per Mail auf dem Laufenden.

Schick' mir den Guide
Wir hassen Spam. Deine Daten sind bei uns sicher. Hier findest du unsere Datenschutzbestimmungen.

Wartezeiten, Altersgrenzen und der richtige Abschlusszeitpunkt

Wartezeiten, Altersgrenzen und der richtige Abschlusszeitpunkt einer Pflegeversicherung

Welche Wartezeiten typischerweise gelten

Die Wartezeit ist der Zeitraum ab Vertragsbeginn, in dem die Versicherung noch nicht leistet. Und die ist je nach Anbieter unterschiedlich: Manche Tarife in Österreich haben gar keine Wartezeit, bei anderen liegt sie bei rund sechs Monaten bis zu einem Jahr. Wirst du durch einen Unfall pflegebedürftig, verzichten Anbieter häufig auf die Wartezeit und leisten sofort.

Nicht verwechseln solltest du die Wartezeit mit der Voraussetzung, dass die Pflegebedürftigkeit mindestens sechs Monate andauern muss. Die gilt unabhängig davon. Die Wartezeit läuft ab Vertragsbeginn, die sechs Monate betreffen die Pflegebedürftigkeit selbst.

Welche Altersgrenzen Anbieter setzen

Bei der privaten Pflegeversicherung gibt es bei allen Anbietern ein Höchstabschlussalter. Je nach Gesellschaft liegt das grob zwischen 65 und 75 Jahren. Danach ist ein Abschluss schlicht nicht mehr möglich.

Warum ein früher Abschluss so viel ausmacht

Hier gilt im Grunde dasselbe wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung und anderen Versicherungen, bei denen deine Gesundheit eine Rolle spielt. Je früher, desto besser.

Je älter du wirst, desto teurer wird es oder andersherum: Je jünger du bist, desto günstiger. Auch Vorerkrankungen und dein bisheriger Gesundheitszustand spielen mit hinein. Deshalb ist es ratsam, die Pflegeversicherung eher früher als später zu machen. Sonst ist mit Zuschlägen zu rechnen, oder es ist gar nicht mehr möglich, sich sinnvoll zu versichern.

Im Grunde solltest du früh für dich selbst entscheiden, ob eine Pflegeversicherung gewünscht ist oder nicht. Der Gedanke „das brauche ich erst später, also schließe ich es auch erst später ab“ ist verständlich. Er führt aber meist zu deutlichen Mehrkosten oder im Worst Case dazu, dass du im Fall der Fälle ohne Versicherungsschutz dastehst. Und wie du oben bei den Kosten gesehen hast, holt der frühe Abschluss seine „Mehrkosten“ ohnehin schnell wieder auf.

Wann eine private Pflegeversicherung sinnvoll ist – und wann nicht

Wann eine private Pflegeversicherung sinnvoll ist – und wann nicht

Für wen sie klar sinnvoll ist

Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn du im Pflegefall eine vernünftige Betreuung möchtest und die zu erwartende Pflegelücke nicht, oder nicht gern, aus eigenem oder familiärem Vermögen decken willst. Wer dieses finanzielle Risiko nicht selbst tragen will (oder kann), sichert es mit der privaten Pflegeversicherung ab. Und weil ein früher Abschluss deutlich günstiger ist, lohnt es sich, früh darüber nachzudenken.

Wann man sie eher nicht braucht

Wenn du die Pflegelücke im Ernstfall problemlos aus vorhandenem Vermögen decken kannst und willst (eigenes oder das der Kinder), brauchst du sie eher nicht. Dann ist die Versicherung eher eine Frage der Bequemlichkeit als ein Muss.

Worauf du beim Vergleich von Anbietern achten solltest

Drei Punkte sind beim Vergleich besonders wichtig:

  • Explizite Nennung der Stunden statt reiner Pflegestufe. So bist du unabhängig davon, ob der Staat seine Stundengrenzen irgendwann verschiebt.
  • ADL inklusive Pflegestufensystematik statt reiner Pflegestufen-Anlehnung. Bedingungstechnisch ist das die bessere Variante (kostet dafür mehr). Aktuell in Österreich halt schwierig. Es gibt nur noch Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen.
  • Höhe der Rente und ab wann du 100 % bekommst. Beides bestimmt Leistung und Preis.

Und was ist jetzt preis-/leistungstechnisch besser? ADL oder reine Pflegestufensystematik? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab, die niemand vorhersagen kann: Ändert der Staat seine Pflegestufensystematik, ist das für Tarife, die nicht nach ADL bewerten, ein Unsicherheitsfaktor. Und keiner weiß, wie genau wir einmal pflegebedürftig werden. Rein bedingungstechnisch ist eine Einstufung nach ADL UND Pflegestufensystematik optimal und besser als die reine Anlehnung an die staatlichen Pflegestufen.

Im Moment wird dir die Entscheidung aber praktisch abgenommen: Richtig coole ADL-Tarife gibt es in Österreich derzeit nicht, nur vereinzelt Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen.

Fazit: Früh informieren, bewusst entscheiden

  • Pflegebedürftig sein heißt, dass du wegen Kräfteverfall, Krankheit oder Verletzung mindestens sechs Monate in erheblichem Umfang auf fremde Hilfe angewiesen bist (mehr als 65 Stunden pro Monat).
  • Das staatliche System teilt sich in 7 Pflegestufen: je höher die Stufe, desto mehr Pflegestunden und desto höher das Pflegegeld.
  • Das staatliche Pflegegeld reicht in den meisten Fällen nicht für eine vernünftige Pflege. Hier kommt die private Pflegeversicherung ins Spiel.
  • Bei der privaten Pflegeversicherung gibt es zwei Modelle: Anlehnung an die staatliche Pflegestufensystematik und ADL. Bedingungstechnisch ist ADL zu bevorzugen, kostet dafür aber mehr. Aktuell gibt es in Österreich keine tolle ADL-Variante, nur Tarife mit ADL-ähnlichen Elementen.
  • Der optimale Zeitpunkt für den Abschluss ist jetzt: je früher, desto besser. Denn mit dem Alter steigt der Preis, und dein Gesundheitszustand spielt eine Rolle.
  • Die Kosten variieren stark nach Modell, Höhe der Rente und Alter (plus Gesundheit).

Falls du dich übrigens jetzt noch fragst wie lange es dauert, bis ein Eiswürfel bei 0 Grad komplett geschmolzen ist… Dafür bin ich zu wenig Naturwissenschaftler, um das ernsthaft beantworten zu können. Aber auch das kommt vermutlich auf die äußeren Umstände, die Größe des Eiswürfels, usw. an.

Das ist ähnlich wie bei der Pflegebedürftigkeit ?

Wir wissen nicht wie lange wir pflegebedürftig sind und deshalb macht die Absicherung dieses finanziellen Risikos sehr viel Sinn…

Häufige Fragen zur Pflegeversicherung in Österreich

Was ist eine private Pflegeversicherung in Österreich?

Reicht das staatliche Pflegegeld in Österreich aus?

Was ist der Unterschied zwischen dem Pflegestufen-Modell und ADL?

Was kostet eine private Pflegeversicherung in Österreich?

Ab wann sollte man eine private Pflegeversicherung abschließen?

Welche Wartezeiten gelten bei der privaten Pflegeversicherung?

Wie funktioniert die Auszahlung im Pflegefall?

Was kannst du jetzt machen?

1. Bevor du dir noch mehr Gedanken zur Pflegeversicherung machst, solltest du sicherstellen, dass du die entscheidenden “Basics” bei den Versicherungen abgesichert hast und nicht einen der drei größten Fehler den Uni- und FH-AbsolventInnen bei der Finanzplanung machen begehst.

Am einfachsten kannst du das machen indem du dir unseren ultimativen Finanzplanungsguide downloadest.

2. Egal ob bei Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeit, oder deiner langfristigen Geldanlage. Wenn du eine Uni oder FH gemacht hast, dann kannst du auch sofort mit uns sprechen und deine Smarte Finanzplanung starten. Unverbindlich & online (via Videoberatung).

lupe
Autor: Florian Märzendorfer

Co-Founder von FiP.S & Experte für Finanz-, Versicherungs- und Karrierethemen

Florian ist Co-Founder von FiP.S, einem auf Akademiker spezialisierten Finanz- und Versicherungsunternehmen. DerStandard, Die Presse, die Salzburger Nachrichten und zahlreiche andere Medienunternehmen berichten regelmäßig über seine Einschätzungen zu Finanz- und Karrierethemen. Zudem hält er Vorträge an Fachhochschulen und Universitäten in ganz Österreich und zählt zu den gefragtesten Experten für Uni- und FH-Absolventen, wenn es um Finanzplanung und Karriere geht.

Außerdem ist er Fan von indischem Essen, hasst Strandurlaube & verabscheut Beistrichregeln.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner