Was jeder Jungakademiker über das staatliche Pensionssystem wissen sollte
Inhaltsverzeichnis
- Die Jungen zahlen die Pensionen der Alten
- Doch leider macht uns die demografische Entwicklung einen Strich durch die Rechnung
- Egal was genau passiert, als junger Mensch musst du selbst vorsorgen
- Aber werden die Politiker nicht Reformen durchsetzen, um die negative Entwicklung aufzuhalten?
- Das heißt für dich als Akademiker
- Häufige Fragen zum staatlichen Pensionssystem in Österreich
Projekt A119 – das ist der Name eines streng geheimen Plans der USA aus dem Jahr 1958.
Die Sowjetunion und die USA befanden sich gerade im nuklearen Rüstungswettlauf. Zusätzlich schickten die Sowjets den ersten Satelliten in die Umlaufbahn. Die US-Regierung glaubte also, sie muss darauf reagieren. Projekt A119 war geboren. Inhalt: Schießen wir den Mond mit einer Atomrakete ab.
Ja, du hast richtig gelesen. Die Idee war durch den Atompilz am Mond die Sowjets einzuschüchtern. Die Verantwortlichen hatten wirklich geplant eine Atombombe am Mond zu zünden. Wenn wir so etwas lesen, ist es nicht schwer zu erkennen, dass manche Ideen einfach nicht gut sind.
Genau wie wenn du dich als junger Akademiker auf das staatliche Pensionssystem verlässt.
Bevor wir darüber sprechen warum sie das nicht ist, müssen wir wissen, wie das staatliche Pensionssystem funktioniert.
Die Jungen zahlen die Pensionen der Alten
Wir haben in Österreich ein Umlageverfahren. D.h. jeder der aktuell in das Pensionssystem einzahlt, bezahlt im Grunde zu einem Teil die Pensionen der Menschen die schon im Ruhestand sind. Das ist kurz gesagt der Generationenvertrag. Jedes Pensionsumlageverfahren basiert auf diesem Prinzip.
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Doch leider macht uns die demografische Entwicklung einen Strich durch die Rechnung
Während 1970 die Geburtenrate bei ca. 2,3 Kindern pro Frau lag, sind wir inzwischen bei ca. 1,3 Kindern pro Frau (Statistik Austria, 2025). Zusätzlich ist die Lebenserwartung seit 1970 um rund 14 Jahre gestiegen, bei Männern von 66,5 auf über 80 Jahre. Im Durchschnitt befinden sich die Österreicher 23-24 Jahre in Ausbildung bevor sie in das System einzahlen. 1970 begannen die meisten mit 17 zu arbeiten.
Die Auswirkungen auf das Pensionssystem sind verheerend
Weniger Leute kommen nach um in das System einzuzahlen und sie starten später. Gleichzeitig werden die Menschen älter und beziehen somit länger Pension. Zusätzlich verwendet der Staat jetzt bereits jeden 4. Steuereuro für das Pensionssystem (rund 20 Milliarden Euro pro Jahr allein für die gesetzliche Pensionsversicherung, die Beamtenpensionen kommen noch dazu). Das ist, neben den Beiträgen die alle Erwerbstätigen einzahlen, aktuell notwendig.
Es ist unmöglich, dass sich das unter diesen Bedingungen auf Dauer ausgeht. Die Situation ist vergleichbar mit einem Schiffbruch. Stell dir vor du bist einer von vier Überlebenden und ihr müsst 8 Wochen durchhalten bis ihr Land erreicht. Im Rettungsboot habt ihr aber nur genug Proviant für 1 Person. Das wird eine eher unangenehme Bootsfahrt.
2035 ist es endgültig vorbei
Denn im Jahr 2035 ist auch der Letzte der Baby-Boomer Generation der 60er bis Anfang 70er in Pension. Der 1970 Geborene ist dann nämlich 65. Ein riesiger Berg von Beitragszahlern wird zu Empfängern. Spätestens da, wird es eine dramatische Pensionsreform geben müssen. Österreich wird immer ein Sozialstaat bleiben – d.h. eine Basispension ist sehr realistisch.
Diese wird aus heutiger Sicht vermutlich in der Größenordnung der heutigen Mindestpension liegen, also der Ausgleichszulage von rund 1.300 € (Stand 2026). Bei einer aktuellen durchschnittlichen Alterspension von rund 1.700 € bei Frauen und rund 2.400 € bei Männern ist das eine vorsichtige, aber keine unrealistische Annahme. Natürlich sind hier auch die Leute mit niedrigen Einkommen bzw. Teilzeitjobs eingerechnet.
Egal was genau passiert, als junger Mensch musst du selbst vorsorgen
Wir wissen nicht, ob die Pension einmal 1.000 €, 1.500 € oder doch nur 800 € sein wird. Was wir wissen ist, dass du als Jungakademiker eine steilere Gehaltskurve hast als andere Arbeitnehmer. Du wirst am Ende deiner Karriere viel mehr verdienen als zu Beginn. Wer jetzt einen Teil vom Einkommen wegzwickt wird es später leichter haben.
Und es ist nicht notwendig sofort Unmengen an Geld wegzulegen
Es geht darum, so früh wie möglich, mit einem sinnvollen Baustein zu starten (siehe Artikel: Pensionsvorsorge – Diesen Fehler musst du vermeiden). Für Leute frisch nach dem Studium sind zwischen 8 – 12 % des Nettoeinkommens bzw. in absoluten Zahlen je nach Einstiegsgehalt 100 € bis 400 € oder auch mehr perfekt. Wobei die 100 € wirklich die Untergrenze sein sollten. Nach oben hin gibt es keine Grenze – allerdings solltest du es zum Start (=frisch nach dem Studium) nicht übertreiben, da du ja andere Ziele auch noch hast. Auf Dauer sparst du dann sowieso mehr für’s Alter bzw. kannst es jederzeit anpassen.
Je früher wir starten, desto einfacher wird es. Du kannst dir unseren ultimativen Guide zur Finanzplanung für Jungakademiker (speziell Part 4) ansehen um ein erstes Gefühl zu bekommen welche Tools für dich passend sind und welche du unbedingt vermeiden solltest.
Aber werden die Politiker nicht Reformen durchsetzen, um die negative Entwicklung aufzuhalten?
Vor vielen Jahren berechnete Bernd Marin (renommierter Sozialwissenschaftler) welche Reformen notwendig wären, um das Pensionssystem zu retten:
- Möglichkeit 1) Anhebung des effektiven Pensionsantrittsalters um 10 – 12 Jahre (aktuell gehen die Leute im Schnitt mit ca. 61 bis 62 in die Pension – also 72 bzw. 74) für alle ab sofort.
- Möglichkeit 2) Kürzung der Pensionsbezüge (auf ca. 24 % des letzten Aktiveinkommens).
- Möglichkeit 3) Erhöhung der Abgabenquote des Einkommens (ca. minus 60 – 70 % des Bruttobezugs).
Diese Zahlen sind inzwischen schon wieder einige Jahre alt – die Situation ist inzwischen noch dramatischer. Man muss kein Genie sein, um zu sehen, dass jede dieser Maßnahmen unrealistisch ist.
Wie glücklich werden wir alle sein, wenn die Abgabenquote auf 60 – 70 % erhöht wird?
Das kann im Grunde keine Partei durchbringen. Der Großteil der Menschen würde in Zukunft vermutlich eher auf die Straße demonstrieren gehen statt in die Arbeit, wenn das Realität werden würde.
Wie realistisch ist es, dass plötzlich alle bis 72 arbeiten gehen?
Das inkludiert auch die, die jetzt 55 sind – und plötzlich heißt es: Ab jetzt bitte bis 72. Schon allein aus gesundheitlichen Gründen ist das sehr unrealistisch. Beziehungsweise muss man dann auch wieder selbst vorgesorgt haben, wenn vom Staat nichts mehr kommt.
Und was ist mit der Kürzung der Pensionsbezüge?
Nachdem die größte Wählerschicht aktuell die über 60-jährigen sind, wird’s unrealistisch, dass bestehende Pensionen massivst gekürzt werden. Eher noch die zukünftigen – und dann sind wir wieder beim selben Ergebnis…
Wir müssen uns selbst drum kümmern und…
Das heißt für dich als Akademiker
- Unser aktuelles Pensionssystem ist ein Umlageverfahren. Wir zahlen die Pensionen der Menschen, die schon in Pension sind.
- Aufgrund der Struktur der Bevölkerung ist es unmöglich, dass sich dieses System so ausgeht. Spätestens 2035 ist es soweit, dass es kracht.
- Der einzige Weg, um seine persönliche Pension zu sichern ist selbst privat vorzusorgen.
Falls du dich fragst warum die USA den Mond dann doch nicht abschoss – sie realisierten wie schlimm die Auswirkungen auf die Erde sein könnten.
Genau wie du jetzt weißt, wie es um das staatliche Pensionssystem steht und warum die Idee, sich darauf zu verlassen, nicht gut ist.
Häufige Fragen zum staatlichen Pensionssystem in Österreich
Wie funktioniert das staatliche Pensionssystem in Österreich?
Wie funktioniert das staatliche Pensionssystem in Österreich?
Das staatliche Pensionssystem in Österreich ist ein Umlageverfahren. Die Beiträge, die du heute von deinem Gehalt zahlst, werden nicht für dich angespart, sondern fließen direkt an die Menschen, die jetzt in Pension sind. Das ist der Generationenvertrag. Vom Bruttogehalt gehen 22,8 % in die Pensionsversicherung, davon zahlst du 10,25 % selbst und dein Arbeitgeber 12,55 %. Weil diese Beiträge längst nicht mehr reichen, schießt der Bund jedes Jahr Milliarden aus Steuergeld zu.
Deine eigene Pension wird über das Pensionskonto berechnet. Für jedes Versicherungsjahr werden dir 1,78 % deiner Jahres-Beitragsgrundlage gutgeschrieben, also des Bruttogehalts bis zur Höchstbeitragsgrundlage. Nach 45 Jahren kommst du damit auf rund 80 % deines durchschnittlichen, aufgewerteten Lebenseinkommens. Das Regelpensionsalter liegt bei 65, bei Frauen wird es bis 2033 schrittweise von 60 auf 65 angehoben. Wer früher geht, bekommt Abschläge, wer länger arbeitet, einen Bonus.
Ist das staatliche Pensionssystem noch sicher?
Ist das staatliche Pensionssystem noch sicher?
Das staatliche Pensionssystem ist in dem Sinn sicher, dass es in Österreich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer eine Basispension geben wird. Unsicher ist die Höhe, vor allem für alle, die erst in 30 oder 40 Jahren in Pension gehen. Der Grund ist die Demografie. 1970 bekam eine Frau in Österreich im Schnitt 2,3 Kinder, 2025 waren es 1,29, ein historischer Tiefstand. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung von Männern seit 1970 von 66,5 auf über 80 Jahre gestiegen. Weniger Beitragszahler finanzieren also immer mehr Pensionisten für immer länger.
Schon heute fließen rund 20 Milliarden Euro pro Jahr aus dem Bundesbudget als Zuschuss in die gesetzliche Pensionsversicherung, dazu kommen die Beamtenpensionen. Um das System zu stabilisieren, gibt es zum Großteil drei Hebel, nämlich ein höheres Antrittsalter, niedrigere Pensionen oder höhere Beiträge. Jede Reform wird eine Mischung davon sein, und jede davon trifft Jüngere stärker als heutige Pensionisten. Als Jungakademiker solltest du deshalb mit einer staatlichen Basispension in der Größenordnung der heutigen Mindestpension planen und alles darüber selbst vorsorgen.
Zählt das Studium für die spätere Pension?
Zählt das Studium für die spätere Pension?
Nein, dein Studium zählt nicht automatisch für die Pension, weil du in dieser Zeit keine Pensionsbeiträge zahlst. Studienzeiten werden von der Pensionsversicherung nur vorgemerkt. Anders ist es, wenn du neben dem Studium über der Geringfügigkeitsgrenze gearbeitet hast, diese Monate zählen ganz normal als Versicherungszeiten. Du kannst Studienmonate aber nachkaufen, maximal 72 Monate, also 12 Semester. Bei Antragstellung im Jahr 2026 kostet ein Monat 1.580,04 €, Ratenzahlung ist möglich und der gesamte Betrag ist als Sonderausgabe steuerlich absetzbar. Der Antrag muss nur irgendwann vor deinem Pensionsstichtag gestellt werden, es gibt keine Frist.
Ob sich der Nachkauf lohnt, hängt vom Einzelfall ab, und zwei Dinge solltest du dabei wissen. Erstens wird der Nachkauf jedes Jahr teurer, weil der Preis an die Höchstbeitragsgrundlage gekoppelt ist. 2025 kostete ein Monat noch 1.470,60 €, 2026 sind es 1.580,04 €. Wer wartet, zahlt also nominell mehr. Zweitens, und das ist unsere klare Meinung, solltest du als junger Mensch unter keinen Umständen freiwillig zusätzliches Geld in das staatliche Pensionssystem einzahlen. Niemand kann heute vorhersagen, wie das System in 20, 30 oder 40 Jahren aussieht, welche Regeln dann gelten und was aus deinem nachgekauften Monat geworden ist. Jeder Euro ist in deiner eigenen, privaten Vorsorge besser aufgehoben.
Wie hoch ist die Pension für Akademiker?
Wie hoch ist die Pension für Akademiker?
Die Pension für Akademiker ist relativ zum letzten Gehalt oft niedriger als bei anderen Berufsgruppen, obwohl sie absolut meist höher ausfällt. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens starten Akademiker mit 23 oder 24 ins Berufsleben und sammeln bis 65 nur rund 40 Versicherungsjahre statt 45. Zweitens zählt für die Pension nur das Gehalt bis zur Höchstbeitragsgrundlage, 2026 sind das 6.930 € brutto im Monat. Alles, was du darüber verdienst, erhöht deine Pension nicht mehr. Die Formel ist einfach. Pro Versicherungsjahr bekommst du 1,78 % deiner aufgewerteten Beitragsgrundlage gutgeschrieben.
Ein Beispiel: Mit 40 Versicherungsjahren landest du bei rund 71 % deines durchschnittlichen, aufgewerteten Lebenseinkommens bis zum Deckel. Wer über die gesamte Karriere an der Höchstbeitragsgrundlage verdient hat, erreicht damit derzeit eine Bruttopension von rund 4.500 € im Monat, 14-mal jährlich. Verdienst du am Ende deiner Karriere 8.000 € oder mehr, ist die Pensionslücke zum letzten Gehalt also riesig, und je steiler deine Gehaltskurve, desto größer wird sie. Das alles gilt allerdings unter der Prämisse, dass das Pensionssystem in 20, 30 oder 40 Jahren noch so funktioniert wie heute, und genau das ist stark anzuzweifeln.
Welches Gehalt zählt für die Pension?
Welches Gehalt zählt für die Pension?
Für die Pension zählt dein Bruttogehalt bis zur Höchstbeitragsgrundlage, und zwar aus deinem gesamten Erwerbsleben, nicht nur aus den letzten Jahren. Das nennt sich Lebensdurchrechnung. Jedes Jahr wird deine Beitragsgrundlage am Pensionskonto gutgeschrieben und später mit einer Aufwertungszahl an die Lohnentwicklung angepasst, damit alte Gehälter nicht durch die Inflation entwertet werden. Das 13. und 14. Gehalt zählen ebenfalls, bis zur eigenen Höchstgrenze für Sonderzahlungen.
Die Höchstbeitragsgrundlage liegt 2026 bei 6.930 € brutto im Monat. Von jedem Euro darüber zahlst du keine Pensionsbeiträge, er erhöht aber auch deine Pension nicht. Genau das ist für Akademiker die entscheidende Information. Sobald dein Gehalt den Deckel überschreitet, bringt dir jede weitere Gehaltserhöhung für die staatliche Pension nichts mehr. Ab diesem Punkt entscheidet ausschließlich deine eigene Vorsorge darüber, wie groß der Abstand zwischen letztem Gehalt und Pension wird. Und noch eine Warnung zum Schluss. Wie das Pensionssystem in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, kann heute niemand seriös vorhersagen. Dass es dann besser oder großzügiger ist als aktuell, ist stark anzuzweifeln.
Die Überlegungen zur individuellen Pensionsvorsorge sind ein Teil jeder sinnvollen Finanzplanung. Wenn du wissen willst, was du mit der Information machen sollst, dann sieh dir an, wie wir dir helfen können… und wie du die typischen Fehler vermeidest.