Privathaftpflichtversicherung in Österreich: Was sie abdeckt und warum sie jeder braucht
Inhaltsverzeichnis
- Was eine Privathaftpflichtversicherung ist — und was sie leistet
- Privathaftpflicht als Teil der Haushaltsversicherung — oder eigenständig?
- Welche Versicherungssumme ist empfehlenswert?
- Was eine Privathaftpflichtversicherung in Österreich kostet
- Auf welche Zusatzdeckungen du achten solltest
- Fazit: Günstig, aber unverzichtbar — die Privathaftpflicht gehört zur Basisabsicherung
- Häufige Fragen zur Privathaftpflichtversicherung in Österreich
Radunfall, Ski-Kollision oder der Laptop deines Freundes, der dank dir vom Tisch fällt: Es braucht erschreckend wenig, um für einen richtig teuren Schaden geradezustehen. Warum die Privathaftpflichtversicherung deshalb zur absoluten Basisabsicherung gehört, was sie kostet und worauf du bei der Versicherungssumme achten solltest, klären wir in diesem Artikel.
- In Österreich ist die Privathaftpflicht in 99,9 % der Fälle in deiner Haushaltsversicherung inkludiert. Solo bekommst du sie um ca. 35 – 60 € pro Jahr.
- Sie deckt Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die du anderen unabsichtlich und schuldhaft zufügst, und wehrt unberechtigte Forderungen für dich ab.
- Ohne Privathaftpflichtversicherung haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten Vermögen. Im Worstcase bedeutet das Privatkonkurs.
- Bei der Versicherungssumme sind 1,5 Millionen € das absolute Minimum. Üblicherweise machen wir bei unseren Klienten 5 bis 10 Millionen €, denn höhere Summen kosten praktisch nichts mehr.
- Weltweite Geltung ist Pflicht. Nicht gedeckt sind unter anderem Vorsatz, Kfz-Schäden, berufliche Tätigkeiten sowie Schäden an eigenen Sachen oder an Sachen von mitversicherten Personen.
Warren Buffett verbindet man vor allem mit Investments und Geldanlage. Doch eines der Prinzipien von Warren ist auch für die Privathaftpflichtversicherung relevant. Buffett war früh klar, dass es unmöglich ist, hunderte richtige Investmententscheidungen zu treffen.
Deshalb beschloss er, NUR in Unternehmen zu investieren, bei denen er sich 100 % sicher ist. Die Entscheidung NICHT zu investieren ist mit ein Grund für den außerordentlichen Erfolg von Buffett, denn einen Großteil seines Vermögens hat er seinen besten zehn Investments zu verdanken.
Manchmal haben die Dinge, die du nicht machst, eine genauso große Auswirkung wie die Dinge, die du machst.
Allerdings nicht im positiven Sinne. Denn wenn du in Österreich keine Privathaftpflichtversicherung hast, dann bist du im Worstcase finanziell am Ende. Die Privathaftpflichtversicherung ist das „Investment“, das du machen musst.
- Was ist überhaupt eine Privathaftpflichtversicherung, für welche Schäden bezahlt sie und warum brauchst du sie unbedingt?
- Welche Versicherungssumme ist bei der Privathaftpflichtversicherung üblich und zu empfehlen?
- Was darf eine Privathaftpflicht kosten und auf welche speziellen Deckungen solltest du achten?
Was eine Privathaftpflichtversicherung ist — und was sie leistet
Vorweg: Ich werde versuchen, dich so wenig wie möglich mit langweiligen gesetzlichen Definitionen zu nerven ? Zum Start müssen wir trotzdem definieren, worum es bei der Privathaftpflicht in Österreich geht.
Die Privathaftpflichtversicherung gehört, wie der Name schon sagt, zu den Haftpflichtversicherungen. Jede Haftpflichtversicherung hat das Ziel, dich gegenüber Schadenersatzansprüchen Dritter schadlos zu halten. Das heißt eine Haftpflichtversicherung deckt berechtigte Ansprüche Dritter, wehrt aber auch unberechtigte Ansprüche ab.
Welche Schäden sie abdeckt: Personen-, Sach- und Vermögensschäden
Nehmen wir an, du bist mit deinem Rad unterwegs. Leider übersiehst du einen Fußgänger und stoßt mit ihm zusammen. Der Fußgänger hat einen gebrochenen Arm.
Gesetzlich bist du in Österreich zu unbeschränktem Schadenersatz für schuldhaft verursachte Schäden verpflichtet. Du musst für den Schaden aufkommen. Wenn du keine Privathaftpflichtversicherung hast, bezahlst du alles aus der eigenen Tasche.
Bei einem gebrochenen Arm werden das nicht 500.000 € sein. Aber stell dir vor dein Unfallgegner sitzt nach dem Unfall im Rollstuhl. Die Schadensumme wächst enorm an. Im Grunde bleibt dir in diesem Fall ohne Privathaftpflichtversicherung in Österreich nur der Privatkonkurs.
Der gerade beschriebene Schadenfall ist ein typischer Personenschaden. Ein Sachschaden wäre beispielsweise, wenn du beim Radunfall keine Person verletzt, sondern das 1.000 € teure Handy deines Unfallgegners auf dem Gewissen hast. Oder wenn du zum Beispiel aus Versehen den Laptop eines Freundes vom Tisch stößt.
Auch diese (Sach-)Schäden würde eine Privathaftpflichtversicherung übernehmen. Vermögensschäden sind im Zuge der Privathaftpflichtversicherung eigentlich immer „Vermögensfolgeschäden“ (und auch die sollten gedeckt sein). Das heißt, dass die Folge eines Sach- oder Personenschadens eben ein Vermögensschaden ist. Stell dir zum Beispiel vor, dass dein Unfallgegner, der jetzt im Rollstuhl sitzt, nicht mehr arbeiten kann und somit kein Geld mehr verdienen kann.
Egal wie alt du bist. Egal wo du gerade im Leben stehst. Ohne Privathaftpflichtversicherung bist du immer in Gefahr, finanziell ausgeknockt zu werden. Selbst wenn du glaubst, dass dir sowas nicht passieren kann und du immer ganz vorsichtig bist. Auch der beste Boxer kann durch einen „lucky punch“ verlieren. Für dich, wie für den Boxer der K.O. am Boden liegt, ist der „lucky punch“ natürlich nicht so glücklich.
Doch manchmal werden Boxer auch schon von der fast sicheren Niederlage gerettet. Und zwar durch den Gong der das Ende der Runde signalisiert. Die Privathaftpflichtversicherung ist der rettende Gong. Ohne sie bist du finanziell im Schadensfall angeschlagen oder im Worstcase ausgeknockt.
Falls du noch studierst und glaubst, dass du bei deinen Eltern mitversichert bist, dann solltest du dir unbedingt unseren Artikel „Mitversicherung als Student: Wo bist du nicht mehr mitversichert (und wo warst du sowieso nie mitversichert)?“ durchlesen. Wir zeigen dir dort im Detail wie du herausfindest ob das wirklich so ist.
Abwehr unberechtigter Forderungen: der unterschätzte Mehrwert
Oben habe ich es kurz erwähnt: Deine Privathaftpflichtversicherung bezahlt nicht nur berechtigte Forderungen. Sie wehrt auch unberechtigte Forderungen für dich ab. Dieser Teil wird gerne übersehen, ist aber Gold wert.
Stell dir vor, jemand behauptet, du hättest einen Schaden verursacht. Du warst es aber nicht, oder die geforderte Summe ist völlig überzogen. In diesem Fall prüft deine Versicherung den Anspruch und sagt im Zweifel: „Nein, das zahlen wir nicht.“ Landet die Sache vor Gericht, stellt dir die Versicherung einen Anwalt zur Abwehr der Ansprüche und übernimmt die Kosten für Gericht und Gutachter. Man nennt das auch „passiven Rechtsschutz“.
Ganz ohne dein Zutun läuft so ein Fall natürlich nicht ab. Du musst dich schon mit dem Thema beschäftigen und der Versicherung alle Infos liefern. Aber du stehst dem Ganzen nicht alleine gegenüber und musst vor allem nicht aus Angst vor einem Prozess einfach zahlen.
Wo gilt die Privathaftpflicht — in Österreich und im Ausland?
Ist sie auf Österreich beschränkt? Hoffentlich nicht! Deine Privathaftpflichtversicherung muss weltweit gelten. Weltweiter Schutz ist Standard bzw. sollte es sein. Glücklicherweise ist das bei den meisten Anbietern inzwischen auch so. Ab und zu bekomme ich allerdings noch einen Vertrag auf den Tisch, der eine reine Europadeckung aufweist.
Das gilt es zu vermeiden. Denn auch im Urlaub soll die Privathaftpflichtversicherung Schadenersatzforderungen abdecken. Wenn du in Japan bist und die Versicherung gilt dort nicht, dann kann das zum oben angesprochenen finanziellen K.O. führen. Das wäre, wie wenn sich der Sicherheitsgurt beim Auto, in manchen Gebieten einfach deaktiviert. Es passiert zwar selten etwas, aber wenn was passiert, dann muss der Schutz gewährleistet sein. Dafür hast du ja die Versicherung (bzw. deinen Sicherheitsgurt) ?
Privathaftpflicht als Teil der Haushaltsversicherung — oder eigenständig?
Was der Unterschied ist und was in Österreich üblicher ist
Falls du im Moment ein bisschen Panik hast und dir unsicher bist, ob du überhaupt privathaftpflichtversichert bist, dann kann ich dich beruhigen. In den meisten Fällen wird die Antwort „Ja“ sein – falls du eine Haushaltsversicherung hast. Denn die Privathaftpflichtversicherung ist in Österreich in 99,9 % der Fälle in der Haushaltsversicherung inkludiert. Falls du auch keine Haushaltsversicherung hast, dann ist ein bisschen Panik durchaus angebracht…
Das ist übrigens eine österreichische Eigenheit, die viele verwirrt. In Deutschland ist die Privathaftpflichtversicherung ein eigener Vertrag, den man extra abschließt. In Österreich bekommst du sie im Normalfall automatisch als Baustein deiner Haushaltsversicherung dazu, ohne dass du dich aktiv darum kümmern musst. Wie die Haushaltsversicherung insgesamt funktioniert und was sie kosten darf, haben wir im Artikel „Haushaltsversicherung in Österreich“ für dich aufgeschlüsselt.
Du kannst die Privathaftpflichtversicherung aber auch solo abschließen, also als eigenständigen Vertrag ohne Haushaltsversicherung. Wann das sinnvoll ist, sehen wir uns gleich an.
Wer ist mitversichert — Kinder und Haushaltsmitglieder
Die gute Nachricht: Eine Privathaftpflichtversicherung ist im Normalfall keine Ein-Personen-Show. Mitversichert sind üblicherweise dein Ehepartner bzw. dein Lebensgefährte oder deine Lebensgefährtin sowie deine Kinder, die mit dir im gemeinsamen Haushalt leben.
Bei den Kindern gilt: Minderjährige sind praktisch immer mitversichert. Volljährige Kinder bleiben bei vielen Anbietern mitversichert, solange sie keinen eigenen Haushalt führen und kein eigenes regelmäßiges Einkommen haben, je nach Tarif oft bis zum 25. oder 27. Geburtstag. Die genauen Grenzen stehen in den Versicherungsbedingungen und unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.
Achtung in der WG: Deine Mitbewohner sind über deine Haushaltsversicherung NICHT automatisch mitversichert. Entscheidend ist, wer namentlich im Vertrag steht. Wer nicht drinsteht, ist nicht versichert. Aber Achtung: Wir bei FiP.S haben unter anderem einen Spezialtarif, bei dem alle in der Wohnung gemeldeten Personen automatisch komplett mitversichert sind. Egal ob Verwandte oder nicht. Das ist damit die perfekte Versicherung für WGs. Wenn dich das betrifft, melde dich einfach bei uns.
Und genau deshalb nochmal der Hinweis von oben: Falls du glaubst, dass du „eh noch bei den Eltern mitversichert“ bist, prüf das lieber nach, bevor es der Schadenfall für dich tut.
Wann eine eigenständige Privathaftpflicht sinnvoller ist
Die ehrliche Antwort vorweg: eigentlich fast nie. Denn eine kleine Haushaltsversicherung, zum Beispiel für ein 15-m²-Zimmer, inklusive Privathaftpflicht ist preislich exakt gleich oder nur minimal teurer als eine Solo-Privathaftpflicht. Nur dass du bei der Haushaltsversicherung mehr Vorteile hast.
Vielleicht ist eine kleine Raddiebstahlversicherung mit dabei. Vielleicht sind generell kleine Dinge in deinem Haushalt mitversichert, die bei der reinen Solo-Haftpflicht nicht dabei wären. Zusätzlich lässt sich der Haushaltsvertrag bei einem Umzug leichter kündigen. Du kannst dann nämlich wegen Wegfall des Risikos kündigen und für die neue Wohnung einfach einen neuen Vertrag machen. Du bist also auch bei der Kündigung viel flexibler.
Somit gibt es ganz selten einen Fall, in dem eine Solo-Privathaftpflichtversicherung wirklich zu bevorzugen ist. Entscheidend ist am Ende nur eines: dass du überhaupt privathaftpflichtversichert bist.
Welche Versicherungssumme ist empfehlenswert?
Warum die Standardsummen in Österreich oft nicht ausreichen
In Österreich findest du alles von 1.000.000 bis zu 10.000.000 € Versicherungssumme. Ich habe auch schon ältere Verträge mit „nur“ 750.000 € gesehen.
Die richtige Höhe existiert nicht. Wir können Fälle konstruieren bei denen auch 10 Millionen zu wenig sind. Niemand kann vorhersagen, wie groß ein Schaden werden kann. Ich habe beispielsweise von folgendem Fall gehört:
Ein junger Mann hat auf einer Straße einen Stein vor sich hergekickt. Der Stein fiel einen Treppenabgang hinab und traf schließlich ein Baugerüst. Leider genau an einer Stelle, die das Baugerüst zusammenstürzen ließ. Am Baugerüst waren zwei Menschen. Beide wurden schwer verletzt. Hier kann eine Versicherungssumme von 1.000.000 € schon mal zu wenig sein.
Welche Summe FiP.S empfiehlt und warum
Das gefühlsmäßig absolute Minimum, das du haben solltest, sind 1,5 Millionen. Üblicherweise machen wir bei unseren Klienten fünf bis zehn Millionen oder auf Wunsch auch mehr.
Für einen Neuabschluss finden wir die 1,5 Millionen ehrlicherweise sogar zu wenig, da höhere Summen praktisch nichts mehr kosten.
Wenn du dir unsicher bist, dann wähle am besten die höhere Summe. Das kostet bei der Privathaftpflicht nicht viel mehr (siehe Kosten-Abschnitt weiter unten).
Was bei Schäden passiert, die die Versicherungssumme übersteigen
Die Antwort ist unangenehm einfach: Alles, was über die Versicherungssumme hinausgeht, zahlst du selbst. Die Versicherungssumme ist das Maximum, das deine Versicherung pro Schadensfall übernimmt. Der Rest bleibt bei dir hängen.
Ein Rechenbeispiel: Dein Schaden beträgt 2,5 Millionen €, deine Versicherungssumme ist 1 Million €. Dann übernimmt die Versicherung 1 Million € und du bist mit 1,5 Millionen € persönlich in der Pflicht. Willkommen zurück beim Thema Privatkonkurs.
Eine pauschale Unterversicherung wie etwa bei der Haushaltsversicherung gibt es in der Privathaftpflicht grundsätzlich nicht. Die große Ausnahme sind Rentenzahlungen. Musst du dem Geschädigten eine lebenslange Rente zahlen und übersteigt der Gesamtwert dieser Rente (der sogenannte Kapitalwert) deine Versicherungssumme, dann wird jede einzelne Rentenzahlung von Anfang an anteilig gekürzt. Ein Beispiel: Die Rente beträgt 1.000 € pro Monat und deine Versicherungssumme deckt nur 50 % des Kapitalwerts. Dann bekommst du schon ab der ersten Zahlung nur 500 € von deiner Versicherung. Die restlichen 500 € zahlst du selbst. Monat für Monat.
Genau deshalb ist die Versicherungssumme die wichtigste Stellschraube bei der Privathaftpflicht. Und weil die höhere Summe kaum mehr kostet (dazu gleich mehr), gibt es wenig Gründe, hier zu sparen.
Was eine Privathaftpflichtversicherung in Österreich kostet
Typische Preisspannen je nach Leistungsumfang
Ich habe es oben bereits angeschnitten: Eine Privathaftpflichtversicherung ist in Österreich im Großteil der Fälle über die Haushaltsversicherung abgedeckt. Dort ist sie preislich bereits inkludiert.
Du kannst die Privathaftpflichtversicherung aber auch solo abschließen (ohne Haushaltsversicherung). Preislich wirst du hier irgendwo zwischen 35 – 60 € pro Jahr liegen.
Aktuell bekommst du zum Beispiel 10 Millionen Versicherungssumme bereits um knapp unter 50 € jährlich. Mehr darf und sollte eine Privathaftpflichtversicherung nicht kosten.
Welche Faktoren die Prämie beeinflussen
Warum zahlt der eine 35 € und der andere 60 €? Die wichtigste Schraube ist die Versicherungssumme. Der Sprung von 1,5 auf 5 oder 10 Millionen kostet meist nur ein paar Euro im Jahr. Genau deshalb lohnt sich die höhere Summe fast immer.
Daneben spielen die Zusatzdeckungen eine Rolle. Bausteine wie Tätigkeitsschäden oder Forderungsausfall (mehr dazu weiter unten) erhöhen die Prämie leicht, bringen im Ernstfall aber genau die Deckung, auf die es ankommt. Auch der Deckungsbereich macht einen Unterschied: Es gibt nach wie vor Versicherungen, die beispielsweise nur europaweit gelten. Für uns ist die weltweite Geltung Pflicht, wie oben schon besprochen. Und natürlich zählt auch, wer versichert ist. Ein Single-Tarif ist günstiger als ein Familien-Tarif, bei dem Partner und Kinder mitversichert sind.
Unterm Strich: Die Privathaftpflicht ist so günstig, dass du hier preislich nicht optimieren musst wie bei anderen Versicherungen. Inhaltlich darfst du sehr wohl optimieren. Lieber die volle Deckung um ein paar Euro mehr als eine Lücke, die dich im Worstcase Millionen kostet.
Wann sich eine Haushaltsversicherung mit inkludierter Haftpflicht mehr lohnt
In vielen Fällen kann eine kleine Haushaltsversicherung sogar besser sein. Genau genommen haben wir die Frage oben schon beantwortet: Das gilt fast immer.
Wenn du beispielsweise eine kleine Wohnung mit 30-40 m² hast, dann kostet eine kleine Haushaltsversicherung nicht dramatisch viel mehr (irgendwo um die 60-80 € im Jahr; je nach Leistungsumfang). Bei kleinen WG-Zimmern wird es sogar nochmals günstiger. Bei einer kleinen Haushaltsversicherung hast du aber diverse Zusatzdeckungen inkludiert.
Du bekommst also für ein paar Euro mehr nicht nur die Privathaftpflicht, sondern auch noch die Absicherung deiner Einrichtung gegen Feuer, Wasser, Sturm und Einbruch dazu. Ob du deine Haushaltsversicherung dann beim selben Anbieter wie deine anderen Versicherungen abschließen solltest, ist übrigens eine eigene Frage. Unsere Antwort darauf findest du im Artikel „Versicherungen beim selben Anbieter“.
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Auf welche Zusatzdeckungen du achten solltest
Egal ob du deine Privathaftpflichtversicherung solo oder im Rahmen einer Haushaltsversicherung machst…
Der Großteil der guten Anbieter hat diese Dinge bei Neuverträgen bereits inkludiert, trotzdem sollten sie erwähnt werden:
- Kein Ausschluss von Verwandten: Wenn du bei deiner Mama zu Besuch bist und aus Versehen ihre teure Vase vom Tisch wirfst, dann sollte das gedeckt sein. Oftmals ist es das aber nicht. Das nennt sich dann im Versicherungsjargon „Verwandtenausschluss“. Du kannst das aber versichern lassen. Was du natürlich nie versichert bekommst sind die Schäden die du bei dir zu Hause selbst verursachst. Das Handy deiner Freundin oder des Freunds bezahlt die Versicherung nicht, wenn ihr einen gemeinsamen Wohnsitz habt. Egal wie oder wo du es kaputt gemacht hast ? Das Gleiche gilt für Schäden, die deine eigenen Kinder an deinen Sachen anrichten.
- Tätigkeitsschäden: Du schießt mit dem Handy eines Bekannten ein Foto (so ungefähr ? ) Dabei fällt dir das Handy aus der Hand und ist kaputt. Da du das Handy „benutzt“ hast, ist das ein klassischer Tätigkeitsschaden und wird von vielen Versicherungen nicht bezahlt. Inzwischen kann man Tätigkeitsschäden aber ebenfalls versichern. Meistens mit einer geringeren Versicherungssumme.
- Forderungsausfall: Stell dir vor du wirst von einem Radfahrer angefahren. Du brichst dir dabei einen Wirbel. Doch dein Unfallgegner will kein Schmerzensgeld & Co zahlen. Du klagst ihn. Es stellt sich heraus: Dein Unfallgegner hat KEINE Privathaftpflichtversicherung und kein Vermögen. In dem Fall droht dir ein „Forderungsausfall“. Bei einigen Anbietern kannst du genau das mitversichern. Das heißt, deine eigene Versicherung bezahlt dir den entstandenen Schaden (meist erst ab ein paar Tausend Euro) und du bleibst nicht auf den Kosten sitzen. Dieser Baustein ist keine absolute Pflicht, wird bei wenigen Gesellschaften aber bereits automatisch inkludiert und ist eine sinnvolle Ergänzung zum gesamten Versicherungsschutz.
Mietsachschäden und Schlüsselverlust
Jetzt kommen zwei Klassiker, die gerne unterschätzt werden. Mietsachschäden und Schlüsselverlust hast du in der normalen Privathaftpflicht typischerweise gar nicht oder nur selten versichert.
Fangen wir bei den Mietsachschäden an, und zwar bei deiner eigenen Mietwohnung: Der Rotweinfleck im Parkett, der Kratzer im Boden oder die versengte Arbeitsplatte sind Schäden am Eigentum deines Vermieters. Und dafür haftest du. Das Fiese daran: Viele Tarife decken Schäden an gemieteten Räumlichkeiten nur für Mietverhältnisse mit einer Höchstdauer von einem Monat, also klassisch für den Urlaub. Deine eigene, dauerhaft gemietete Wohnung fällt damit genau aus dieser Deckung heraus.
Beim Schlüsselverlust schaut es ähnlich aus: Du verlierst den Wohnungsschlüssel, den dir dein Vermieter überlassen hat. Hängt der an einer zentralen Schließanlage, muss im Zweifel die komplette Anlage getauscht werden. Das kann schnell einige Tausend Euro kosten und ist in der normalen Privathaftpflicht meist nicht gedeckt.
Die gute Nachricht: Es gibt Zusatztarife, die deine bestehende Privathaftpflicht massiv erweitern. Und zwar egal, bei welchem Anbieter du sie hast. Wir empfehlen hier einen speziellen Zusatztarif, mit dem du einerseits deine Versicherungssumme kräftig erhöhst (auf 15 Millionen € für Personenschäden und 70 Millionen € für Sachschäden) und andererseits genau solche Lücken schließt: Gedeckt sind dann Schäden an deiner dauerhaft gemieteten Wohnung ohne die Ein-Monats-Einschränkung sowie der Verlust fremder privater und sogar beruflicher Schlüssel, etwa die Zutrittskarte deines Arbeitgebers. Dazu kommen noch viele weitere Vorteile.
Wichtig zum Verständnis: Das sind keine Häkchen, die du einfach bei deiner normalen Privathaftpflicht anklickst. Es ist ein eigenes Zusatzpaket, das oben drauf kommt. Wenn du wissen willst, ob sich das für dich auszahlt, melde dich einfach bei uns.
Sportausübung und Freizeitrisiken
Die gute Nachricht zuerst: Normale Sportausübung in der Freizeit zählt zu den „Gefahren des täglichen Lebens“ und ist damit von der Privathaftpflicht gedeckt. Die Ski-Kollision auf der Piste oder der Zusammenstoß beim Fußball im Park sind klassische Haftpflichtfälle. Gerade beim Skifahren ist das relevant, denn Personenschäden auf der Piste gehören zu den teuersten Schadensfällen überhaupt, die eine Privatperson verursachen kann.
Aber Achtung, du musst auch immer ein bisschen aufpassen, wie deine Haftpflichtversicherung generell tickt.
Ein Beispiel: Du schießt beim Volleyball deinem Gegner mit dem Ball die Brille vom Gesicht und die Brille bricht. Das wirkt im ersten Moment wie ein klarer Haftpflichtfall. Die meisten Haftpflichtversicherer werden aber ablehnen. Die Argumentation: Wer mit Brille Volleyball spielt, akzeptiert die Gefahr, dass die Brille beim Spiel zu Bruch geht. Daher liegt kein Verschulden deinerseits vor.
Somit keine Deckung. Die Versicherung würde dir dann zwar die Abwehrdeckung anbieten, um gegen die Forderung vorzugehen. Das bringt dir aber herzlich wenig, wenn der Geschädigte ein Freund von dir ist (außer du willst wegen einer 300-Euro-Brille in einen Gerichtsstreit mit deinem Freund eintreten ?). Wissen solltest du es trotzdem. Das Gegenbeispiel dazu: Wenn du beim Radfahren jemanden anfährst, ist das natürlich gedeckt.
Ausnahmen gibt es außerdem beim berufsmäßigen Sport (das ist dann eine berufliche Tätigkeit), bei der Jagd (die braucht eine eigene Jagdhaftpflicht) und bei der Teilnahme an Rennen, etwa Rad- oder Motorsportrennen, die bei vielen Tarifen ausgeschlossen ist. Wenn du ein Hobby mit erhöhtem Risiko hast, lohnt sich ein Blick in die Bedingungen. Oder du fragst einfach jemanden, der sie für dich liest ?
Was häufig ausgeschlossen ist
Zum Abschluss die wichtigsten Dinge, für die deine Privathaftpflicht NICHT zuständig ist:
- Vorsatz: Wer absichtlich Schaden anrichtet, bekommt nichts. Logisch, sonst wäre die Versicherung ein Freifahrtschein.
- Kfz-Schäden: Alles rund ums Lenken von motorisierten Fahrzeugen läuft über die gesetzlich verpflichtende Kfz-Haftpflicht. Vorsicht übrigens auch bei Hilfstätigkeiten rund ums Auto, etwa wenn du beim Umzug das Auto eines Freundes belädst und dabei beschädigst.
- Berufliche Tätigkeit: Schäden, die im Job passieren, sind Sache einer Berufs- bzw. Betriebshaftpflicht. Die Privathaftpflicht deckt, wie der Name schon sagt, nur den privaten Bereich.
- Hunde und Pferde: Dafür gibt es eigene Tierhalter-Haftpflichtversicherungen, für Hunde ist das in manchen Bundesländern sogar verpflichtend. Kleintiere wie Katzen sind dagegen üblicherweise über die Privathaftpflicht mitgedeckt, wenn ein Verschulden von dir vorliegt.
- Eigenschäden: Schäden an deinen eigenen Sachen und Schäden zwischen Personen im selben Haushalt sind nicht gedeckt. Das haben wir oben beim Verwandtenausschluss schon gesehen.
Eines bleibt zu sagen: Du kannst nicht jeden Schaden und jedes Ereignis versichern. Aber es ist entscheidend die wahrscheinlichsten existenzbedrohenden Risiken, zu einem vernünftigen Preis, abzusichern.
Fazit: Günstig, aber unverzichtbar — die Privathaftpflicht gehört zur Basisabsicherung
Und genau das ist auch die Logik hinter unserer generellen Versicherungsphilosophie: Kleinigkeiten kannst (und solltest) du selbst tragen, existenzbedrohende Risiken niemals. Warum das so ist, liest du im Artikel „Warum du keine Kleinigkeiten versichern solltest“.
Die Privathaftpflichtversicherung ist in Österreich eine dieser Must-have-Versicherungen. Warren Buffett investiert nur in wenige Unternehmen und sagt zu vielen Investments Nein.
Bei deinen Versicherungen ist die Privathaftpflichtversicherung eine der Versicherungen, zu denen du unbedingt Ja sagen musst. Ein Nein führt nicht zum Erfolg, sondern im Worstcase zum Finanz-K.O.
Häufige Fragen zur Privathaftpflichtversicherung in Österreich
Was deckt die Privathaftpflichtversicherung in Österreich ab?
Ist die Privathaftpflichtversicherung in der Haushaltsversicherung enthalten?
Was kostet eine Privathaftpflichtversicherung in Österreich?
Wie hoch sollte die Versicherungssumme bei der Privathaftpflicht sein?
Sind Kinder und Haushaltsmitglieder mitversichert?
Was deckt die Privathaftpflicht nicht ab?
Gilt die Privathaftpflichtversicherung auch im Ausland?
Zu welchen Versicherungen musst du noch „Ja“ sagen? Zu welchen kannst du „Nein“ sagen? Welche Fehler musst du bei deiner persönlichen Finanz- und Versicherungsplanung vermeiden? Wie kannst du bei deiner Altersvorsorge mehr herausholen?
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