Verschenkst du Geld, weil du in eine klassische Lebensversicherung sparst?

Klassische Lebensversicherung

Eine dramatische Entscheidung veränderte die komplette Zukunft von Southwest Airlines (und was das mit dem Thema „klassische Lebensversicherung“ zu tun hat)

Das alles passierte 1972. Die Fluggesellschaft hatte einen jahrelangen Rechtsstreit hinter sich, um überhaupt fliegen zu dürfen. Ihnen ging das Geld aus. Sie mussten sogar eines ihrer vier Flugzeuge verkaufen um den Kopf über Wasser zu halten. Anstatt nach dem Verkauf ihre Flüge zu reduzieren, blieb die Anzahl der Flüge die gleiche. Wie war das möglich, obwohl ihnen eine Maschine fehlte?

Die drei übrig gebliebenen Flugzeuge mussten nach der Landung innerhalb von 10 Minuten wieder abflugbereit sein. Das hört sich völlig wahnsinnig an. Vor allem wenn man weiß, dass die durchschnittliche Zeit, um ein Flugzeug wieder abflugbereit zu machen, bei ca. 1 Stunde lag. Um die 10 Minuten zu schaffen mussten alle Crewmitglieder mehr machen. Das bedeutete unter anderem, dass die Piloten bei der Reinigung des Passagierraums halfen.

Die Maßnahme führte dazu, dass Southwest Airlines 38(!) profitable Jahre am Stück produzierte. Die Entscheidung für das 10-Minuten-Konzept veränderte die komplette Zukunft des Unternehmens.

Wenn es um deine Vorsorge geht, dann muss die Entscheidung nicht so dramatisch sein.

Und die Zahl die dafür verantwortlich ist deine finanzielle Zukunft zu verändern ist nicht 10 Minuten, sondern 2 Prozent.

Die 2 Prozent können der Unterschied zwischen der Entscheidung zu einer klassischen Lebensversicherung oder einer sinnvolleren langfristigen Altersvorsorge sein.

Und die Auswirkung auf dein Leben ist genau so profitabel für dich wie das 10-Minuten-Konzept von Southwest Airlines

Denn bei “nur” 150 € monatlich kann das über 35 bis 40 Jahre ca. 60.000 € sein die du mehr hast. Bevor wir uns das näher ansehen, sollten wir klären, was eigentlich eine klassische Lebensversicherung ist. Sie sind als langfristige (20 Jahre aufwärts) Sparform bekannt. Sie veranlagen im Regelfall zu rund 5% in Aktien, 5-10% in Immobilien und zu mehr als 80% in Anleihen und anderen festverzinslichen Wertpapieren.

Die Veranlagung kannst du selbst nicht beeinflussen

Was heißt das konkret? Österreichische Staatsanleihen bringen aktuell rund 3 % pro Jahr. Das klingt nach der langen Nullzinsphase erstmal ordentlich. Nur: Davon gehen noch die Kosten der Versicherung weg, und an dem was übrig bleibt, knabbert die Inflation. Real bleibt von einer anleihenlastigen Veranlagung langfristig also wenig übrig.

Nicht unbedingt der beste Deal

Dazu kommt: Eine Strategie mit ca. 80 % Anleihen kann weder auf steigende Märkte noch auf deine persönliche Situation reagieren. Sie hängt komplett am Zinsniveau und bleibt über Jahrzehnte weit hinter dem zurück, was breit gestreute Veranlagungen liefern können. Zumindest gibt es bei der klassischen Lebensversicherung aber eine Garantie.

Das ist das Zauberwort. Garantie.

Bei Neuverträgen dürfen die Versicherer seit Juli 2022 gar keinen Garantiezins auf den Sparanteil mehr versprechen, die Finanzmarktaufsicht hat den Höchstzinssatz auf 0,0 % gesetzt. Die „Garantie“ bei neuen klassischen Verträgen bedeutet im besten Fall also den Erhalt deiner einbezahlten Beiträge. Genau das hört sich dann sehr oft so an:

  • “In so unsicheren Zeiten, noch immer besser als dann gar nichts zu haben”. 

Nur wenn man dann über Inflation nachdenkt, dann verliert die Aussage schnell an Charme. Denn wenn weniger als die Inflation erzielt wird, ist auf lange Sicht weniger da als vorher – woher also dann Geld für die Reisen, für’s Traumauto und für’s Alter hernehmen? Zusätzlich sind dabei noch keine Kosten abgezogen.

Durch die Garantie ist auch automatisch klar, dass der Anleihenanteil immer hoch sein wird

Anders lässt sich diese Garantie nur schwierig abbilden. Überspitzt formuliert, ist die Garantie bei einer klassischen Lebensversicherung, die Garantie, dass man real nach der Inflation nicht mehr rausbekommt, als man einbezahlt hat.

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next steps

Was machen 2 % Unterschied jetzt wirklich aus?

Wie oben bereits erwähnt: Bei 150 € monatlich ist der Unterschied, wenn du in jungen Jahren (zwischen 25 und 30) startest und bis 65 sparst zwischen 2% und 4% Rendite um die 60.000 €.

Das sind 60.000 € die du einfach zur freien Verfügung hast

Und ja, der Unterschied ist nicht garantiert, aber die Chance ist sehr realistisch. Genau so wie die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass du mit der klassischen Lebensversicherung sogar weniger als 2% erzielst. Der Unterschied zwischen einer jetzt abgeschlossenen klassischen Lebensversicherung und einer sinnvolleren Variante ist vermutlich über 30-40 Jahre sogar mehr als 2 % pro Jahr.

Hier kannst du selbst für verschiedene Anlagehorizonte und Beträge nachrechnen, was das bedeutet…

Was kommt bei 2, 4 oder 6 Prozent pro Jahr raus?

Du beginnst mit Jahren und legst jeden Monat € zur Seite bis du bist.

Dein ersparter Betrag mit Jahren ist bei…

2% Verzinsung:
4% Verzinsung:
6% Verzinsung:
Aber wo bekommst du heutzutage eine Rendite von 4% oder mehr?

Je nachdem wie viel Schwankung du aushältst mit offensiven oder defensiven Fonds. Wenn du wenig Schwankung möchtest, dann eher eine Mischung aus vermögensverwaltenden Fonds. Um vernünftige Renditen zu erzielen brauchst du keine dauerhaft hohe Aktienquote.

Falls du dir gerade denkst: Wie soll ich die aber auswählen? Sprich mit uns, genau dafür sind wir für dich da.

Aber kann es in 10 Jahren nicht ganz anders aussehen?

Ja, könnte es. Nur dann haben wir 10 Jahre lang sehr viel Geld verschenkt. Realistisch betrachtet muss man sagen:

Die Versicherer selbst haben sich längst von den klassischen Garantieprodukten verabschiedet und setzen auf Produkte ohne harte Garantien. Und selbst mit dem gestiegenen Zinsniveau lässt sich mit einer anleihenlastigen Garantieveranlagung nach Kosten und Inflation keine attraktive Rendite darstellen.

Dies sollte aber nicht zum Anlass genommen werden, um den Kopf in den Sand zu stecken, sondern als Weckruf sinnvoll langfristig Geld zu sparen.

Worauf kommt’s dann bei einer langfristigen Vorsorge wirklich an?

Vier der entscheidenden Punkte sind…

  • Flexible Anlage: Wie stehen die Märkte und Zinsniveaus in 10 Jahren? 20 Jahren? 30 Jahren? Niemand kann das vorhersagen. Deshalb sollten wir jederzeit reagieren können.
  • Anpassung an die persönliche Situation: Wenn du 5 Jahre vor Pensionierung stehst, dann kannst du anders anlegen, als wenn du 35 Jahre Zeit hast. D.h. zum Beispiel eine sehr hohe Aktienquote 5 Jahre vor Entnahme wäre Irrsinn. 35 Jahre vor Entnahme aber völlig ok und sinnvoll.
  • Steueroptimierung: Ob du 27,5% Steuern (oder 25% am Sparbuch) für Gewinne bezahlst oder keine Steuern fällig werden wirkt sich enorm aus. Beim 4% Beispiel von oben reden wir von ca. 30.000 € an Steuern. Zur Vollständigkeit: Den Steuervorteil bietet die klassische Lebensversicherung auch; nur wie viel Steuervorteil bleibt übrig, wenn die Gewinne an sich nicht hoch sind?
  • Inflationsschutz: Weil das Bier vor 60 Jahren 2-3 Schilling gekostet hat und jetzt 3 – 3,50 Euro kostet.

Diese vier Punkte bietet aktuell nur eine fondsgebundene Lebensversicherung.

Aber hier beginnt das Spiel von neuem

Nicht jede fondsgebundene LV ist gut. Manche sind sehr teuer, manche haben eine schlechte Fondsauswahl und manche sind flexibler, als es auf den ersten Blick scheint. Wir stoppen hier. Zu dem Thema worauf man alles achten muss, könnte ein eigener Artikel verfasst werden. Und weißt du was?

Genau das haben wir getan (einfach anklicken).

Was du aus diesem Artikel mitnehmen sollst

  • Klassische Lebensversicherungen sind für sinnvolles Sparen gänzlich ungeeignet. Die stark anleihenlastige Veranlagung, wie auch die gut gemeinte Garantie, verursacht folgendes: Ein Anpassen an die aktuelle Marktlage, das Zinsniveau und die persönliche Situation ist nicht möglich.
  • Mehr als die Inflation zu erzielen wird dadurch enorm schwierig.
  • Wirklich sinnvoll kannst du mit der richtigen fondsgebundenen Variante anlegen. Flexibel, individuell angepasst, inflationsgeschützt und steueroptimiert – so wie’s sein soll.

Southwest Airlines ist durch das 10-Minuten-Konzept immer vor der Konkurrenz.

Genauso wie die klassische Lebensversicherung auf lange Sicht immer hinter der (sinnvollen) Konkurrenz sein wird.

Häufige Fragen zur klassischen Lebensversicherung in Österreich

Ist eine klassische Lebensversicherung sinnvoll?

Für den langfristigen Vermögensaufbau: nein. Das Grundproblem ist die Konstruktion: Eine klassische Lebensversicherung veranlagt zum Großteil in Anleihen und andere festverzinsliche Papiere, denn nur so lässt sich die versprochene Garantie darstellen. Damit kann sie sich weder an die Marktlage noch an deine persönliche Situation anpassen, und die Chance auf Renditen, die nach Kosten spürbar über der Inflation liegen, ist strukturell begrenzt.

Überspitzt formuliert ist die Garantie einer klassischen Lebensversicherung die Garantie, dass du real nach Inflation kaum mehr rausbekommst, als du eingezahlt hast. Wer 20, 30 oder 40 Jahre Zeit hat, verschenkt mit dieser Sicherheit schlicht Renditepotenzial, und genau diese Zeit ist beim Vorsorgesparen dein größter Trumpf.

Was bringt mir eine klassische Lebensversicherung eigentlich?

Bei Altverträgen bringt sie dir eine garantierte Mindestverzinsung auf niedrigem Niveau plus die Gewissheit, dass dein Vertragsguthaben nicht schwankt. Bei Neuabschlüssen ist selbst das Geschichte: Seit Juli 2022 dürfen Versicherer in Österreich bei neuen klassischen Verträgen gar keinen Garantiezins auf den Sparanteil mehr versprechen. Was bleibt, ist die Gewinnbeteiligung der Versicherung und der Steuervorteil der Lebensversicherung, also 4 % Versicherungssteuer auf die Einzahlungen statt KESt auf die Gewinne.

Die ehrlichere Frage ist, was sie dich kostet: Von der mageren Verzinsung gehen noch die Vertragskosten ab, und ein Steuervorteil nützt wenig, wenn kaum Gewinne da sind, auf die er wirken könnte. Die vermeintliche Sicherheit bezahlst du mit dem Verzicht auf die Rendite, die langfristiges Sparen eigentlich bringen kann.

Was ist eine klassische Lebensversicherung überhaupt?

Eine klassische Lebensversicherung ist eine langfristige Sparform (üblicherweise 20 Jahre aufwärts), bei der die Versicherung dein Geld veranlagt und dir eine garantierte Leistung zusagt. Veranlagt wird im Regelfall zu rund 5 % in Aktien, 5 bis 10 % in Immobilien und zu mehr als 80 % in Anleihen und andere festverzinsliche Wertpapiere. Auf die Veranlagung hast du dabei keinen Einfluss, die bestimmt die Versicherungsgesellschaft.

Beim Garantiezins gilt seit Juli 2022: Für Neuverträge hat die Finanzmarktaufsicht den Höchstzinssatz auf 0,0 % gesetzt, neue klassische Verträge dürfen also keinen Garantiezins auf den Sparanteil mehr bieten. Bei älteren Verträgen läuft der beim Abschluss vereinbarte Garantiezins weiter. Der Unterschied zur fondsgebundenen Lebensversicherung: Dort entscheidest du über die Fondsauswahl, es gibt keine Garantie, dafür die Chance auf deutlich höhere langfristige Renditen.

Taugt die klassische Lebensversicherung als Sparform?

Als langfristige Sparform ist sie den sinnvollen Alternativen klar unterlegen, und der Unterschied ist keine Kleinigkeit. Unsere Modellrechnung aus dem Artikel: Wer zwischen 25 und 30 startet und bis 65 monatlich 150 € spart, hat bei 4 % Rendite rund 60.000 € mehr als bei 2 %. Der Unterschied zwischen einer klassischen Lebensversicherung und einer gut gemachten fondsgebundenen Variante kann über 30 bis 40 Jahre sogar mehr als diese 2 Prozentpunkte pro Jahr ausmachen.

Für sinnvolles langfristiges Sparen braucht es vier Dinge: eine flexible Anlage, die Anpassung an deine persönliche Situation, Steueroptimierung und Inflationsschutz. Die klassische Lebensversicherung liefert davon strukturbedingt fast nichts, eine gute fondsgebundene Lebensversicherung alle vier. Wichtig dabei: Auch dort trennt sich die Spreu vom Weizen, nicht jede fondsgebundene LV ist automatisch gut.

Lohnt sich eine Lebensversicherung heute überhaupt noch?

Das kommt darauf an, welche Lebensversicherung gemeint ist, denn unter dem Begriff laufen sehr unterschiedliche Produkte. Die reine Ablebens- bzw. Risikolebensversicherung lohnt sich als Absicherung nach wie vor: Sie kostet wenig und schützt deine Familie oder deinen Kreditpartner im Todesfall. Die fondsgebundene Lebensversicherung lohnt sich als Vorsorge-Tool bei langem Anlagehorizont und einem kostengünstigen Tarif, vor allem wegen des Steuervorteils gegenüber dem Depot.

Die klassische Lebensversicherung als Sparprodukt ist dagegen die Variante, die sich heute praktisch nicht mehr lohnt. Auch die Versicherer selbst entwickeln sich seit Jahren weg von den klassischen Garantieprodukten, weil sich mit der anleihenlastigen Veranlagung keine attraktiven Renditen darstellen lassen. Wenn du bereits einen klassischen Vertrag hast, heißt das übrigens nicht automatisch kündigen, sondern: individuell prüfen lassen, was mit dem Vertrag die beste Option ist.

Deine nächsten Schritte?

1. Wenn du mehr erfahren willst, worauf es bei der fondsgebundenen Vorsorge ankommt… Dann lies unseren Artikel „Fondsgebundene Lebensversicherung: Das musst du wissen um langfristig erfolgreich & kostengünstig Geld anzulegen“.

2. Egal ob du einen aktuellen Vertrag hast oder nicht. Sprich mit uns, wenn du mehr darüber wissen willst wie wir arbeiten und worauf es bei deiner persönlichen Pensionsvorsorge wirklich ankommt. Sieh dir an wie du in einer Stunde – ohne Kosten für dich – dein (Finanz)leben individuell optimieren kannst.

Nächste Schritte
Autor: Florian Märzendorfer

Co-Founder von FiP.S & Experte für Finanz-, Versicherungs- und Karrierethemen

Florian ist Co-Founder von FiP.S, einem auf Akademiker spezialisierten Finanz- und Versicherungsunternehmen. DerStandard, Die Presse, die Salzburger Nachrichten und zahlreiche andere Medienunternehmen berichten regelmäßig über seine Einschätzungen zu Finanz- und Karrierethemen. Zudem hält er Vorträge an Fachhochschulen und Universitäten in ganz Österreich und zählt zu den gefragtesten Experten für Uni- und FH-Absolventen, wenn es um Finanzplanung und Karriere geht.

Außerdem ist er Fan von indischem Essen, hasst Strandurlaube & verabscheut Beistrichregeln.

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