Der schlechteste finanzielle Rat aller Zeiten
Was haben schlechte finanzielle Ratschläge und Coca-Cola gemeinsam?
Doug Ivester war 1999 der CEO von Coca-Cola. Eine seiner Ideen und Entscheidungen war es, an heißen Tagen mehr für Coca-Cola zu verlangen. Verkaufsautomaten sollten aufgrund der Temperatur die Preise verändern.
Die Idee von variablen Preisen basierend auf Ort oder Saison (zB bei Hotels) ist nicht neu. Doch Doug Ivester sprach in einem Interview darüber und machte klar, dass es einzig und allein um den Profit von Coca-Cola ging. Konsumenten waren empört und der Coca-Cola Aktienpreis fiel von 37$ auf 18$.
Doug Ivester hat die Entscheidung vermutlich nicht allein getroffen. Die Ratschläge die er erhielt waren aber eindeutig mies.
Ähnlich sieht’s mit vielen Ratschlägen aus wenn’s um Versicherungen & Finanzen geht
Egal ob durch Marketing oder Freunde (siehe dazu: „Zerstören deine Bekannten dein finanzielles Leben?“) – es gibt unzählige finanzielle Ratschläge bzw. Mythen die einfach nur mies sind. Einer der schlechtesten finanziellen Ratschläge aller Zeiten ist:
- “Bei mir hat’s funktioniert.”
Oder sein Bruder…
- “Bei mir hat’s nicht funktioniert.”
Die Cousinen der zwei Geschwister sagen übrigens…
- “Nein das braucht man nicht, habe ich auch nicht.”
Und…
- “Ja, das brauchst du, das habe ich auch.”
Egal mit wem du sprichst, wenn’s um Versicherungen oder Finanzen geht wirst du diese Sätze relativ oft hören. Nicht nur für Finanz- und Versicherungsthemen sind diese Ratschläge in vielen Fällen grottenschlecht, sondern auch wenn du beispielsweise an Bewerbungen denkst. Einer meiner alten Studienkollegen hat für seine Bewerbungen den Europass-Lebenslauf verwendet. Das ist ca. 10 Jahre her, damals sah der Lebenslauf so richtig brechreizauslösend aus.
Aber von nun an erzählte er jedem der nicht schnell genug weglief, dass man unbedingt diese Designvorlage verwenden muss. Hatte er dazu Statistiken, Studien oder zumindest aussagekräftige Case Studies?
Natürlich nicht.
Er selbst hatte noch nicht mal Rückmeldungen von seinen potentiellen Arbeitgebern. Aber er verwendete ihn, und deshalb muss es richtig sein.
(Nur der Vollständigkeit halber; der Europass Lebenslauf sieht inzwischen schon besser aus, du solltest ihn aber noch immer nicht 1:1 verwenden – lies dir unseren Blogartikel zum Thema Lebenslauf: Wie du deine Praxiserfahrungen richtig darstellst, wenn du wissen willst worauf’s beim Lebenslauf ankommt.)
Aber zurück zum eigentlichen Thema…
Was sind die häufigsten Themen bei denen du diese Sätze hören wirst?
Investments
Es ist völlig egal ob wir von kurz- mittel- oder langfristiger Anlage sprechen.
Nehmen wir das Thema Aktien – egal ob als Einzeltitel oder Fonds. Du wirst hier beide Situationen erleben – die Menschen die dir strikt davon abraten.
- “Da verliert man ja sein ganzes Geld, ich hab das damals probiert und dann war die Hälfte weg…”
Oder die, die raten …
- “Du musst alles in Kryptos (oder Gold, …) investieren, schau wie viel Gewinn ich schon gemacht habe.”
Aber wer von den beiden hat jetzt recht?
Im Großteil der Fälle liegen beide falsch – egal ob sie gerade viel Gewinn oder viel Verlust gemacht haben. Denn die beiden Ratschläge von oben sind in Wahrheit einfach nur “Bei mir hat’s nicht funktioniert” und “Bei mir hat’s funktioniert”. In den meisten Fällen beruht der Ratschlag auf einem Datenpunkt von Millionen möglicher Datenpunkte.
Der eine hatte vielleicht überdurchschnittlich viel Pech, der andere besonders viel Glück
Mit der Wahrheit hat es nichts zu tun. Die meisten Ratschläge die du so erhältst sind so zu bewerten wie der Ratschlag eines Lottogewinners: “Du musst unbedingt Lotto spielen, damit wirst du reich. Schau wie viel ich gewonnen haben… Bei mir hat’s funktioniert.”
Hört sich lächerlich an, oder? Aber genau das passiert in vielen Fällen wenn’s um Investments geht. Du solltest deine Entscheidungen nicht von einem zufälligen Ergebnis eines anderen Menschen abhängig machen.
Um es klar zu machen: Ich sage nicht, dass niemand Ahnung hat
Du solltest nur vorsichtig sein, wenn jemand von etwas abrät oder empfiehlt, nur weil er gute oder schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Sehr oft handelt es sich dabei um eine Meinung, die rein ergebnisorientiert gebildet wurde.
Ein einzelnes Ereignis, das nichts mit Fakten zu tun hat, beeinflusst die Entscheidung.
Genau das ist auch beim nächsten Thema zu beobachten…
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Immobilienkauf
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich einen Vortrag hielt bei dem’s unter anderem um finanzielle Fehlentscheidungen ging. Irgendwann kommt man zwangsläufig zum Thema: Immobilienkauf gleich nach dem Studium.
Und als wir die Wertentwicklung nach Inflation über einen historischen Zeitpunkt betrachteten (du kannst dir das übrigens auch gerne in unserem ultimativen Guide zum Thema Mieten oder Kaufen ansehen), sagte jemand aus dem Publikum:
- “Ja, aber meine Wohnung ist jetzt viel mehr wert, das kann nicht stimmen…”
Was im Grunde dasselbe ist wie: “Ja, aber ich habe im Lotto gewonnen, die Statistik kann nicht stimmen.”
Ehrlicherweise muss man sagen, der Vergleich hinkt etwas. Denn in den letzten zehn Jahren (Stand 2020) konnte man mit einer Immobilie fast nichts falsch machen, wenn man sie länger als ein paar Jahre hatte. Selbst wenn du eine Hundehütte gekauft hättest, wäre sie jetzt mehr Wert.
Aber wie lange geht das so weiter?
Die Immobilienpreise werden sich wieder normalisieren bzw. wird die jährliche Steigerung auf einen normalen Wert zurückkehren. Wenn du im Moment aber mit irgendjemandem sprichst, wirst du in diesem Fall immer hören: “Kaufen, kaufen, kaufen.” Aber um ehrlich zu wissen, ob du kaufen solltest oder nicht, muss man sich zuerst die Frage stellen:
„Kaufst du die Wohnung als Investment, oder um selbst darin zu wohnen?“
Es handelt sich dabei um zwei grundlegend unterschiedliche Entscheidungen bzw. Ausgangssituationen. Egal was du vorhast – schau dir einfach den Mieten vs. Kaufen Guide an. Noch einmal “Bei mir hat’s funktioniert” ist kein Fakt und keine Entscheidungsgrundlage. Es ist ein einzelner Datenpunkt der von unglaublich vielen Faktoren beeinflusst worden ist.
Wir haben oben auch noch von “Nein, das braucht man nicht, das habe ich auch nicht.” und “Ja, das braucht man, das habe ich auch.” gesprochen. Speziell bei Versicherungen wirst du das unglaublich oft hören…
Versicherungen
Es gibt zwei Versicherungen bei denen “Nein, das brauchst du nicht, das habe ich auch nicht” sehr häufig vorkommt: Die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Krankenzusatzversicherung.
Selbst wenn dir dein Papa, deine Mama, deine Schwester, dein Kollege und der Hund deiner/deines Ex sagen, dass sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben und du deshalb auch keine brauchst…
Sorry, sie liegen einfach falsch
Du kannst rund um das Thema drei Artikel lesen…
- 3 Irrtümer über die du als Jungakademiker Bescheid wissen solltest, wenn’s um die Berufsunfähigkeit geht
- Die wichtigste Absicherung die mehr als 95% der Jungakademiker übersehen
- Berufsunfähigkeitsversicherung – Eine alarmierende Anzahl von Absolventen in Österreich glaubt noch immer, dass sie keine brauchen
Und jeder den du kennst, der glaubt, dass er sie nicht braucht, dem solltest du die Artikel weiterleiten. 😉
Bei der Krankenzusatzversicherung sieht’s ähnlich aus
Wobei die grundsätzlich zu den “good-to-haves” gehört und nicht zu den absoluten “must-haves” wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei der Krankenzusatzversicherung hörst du vermutlich relativ oft (und glaubst es vielleicht sogar selbst):
- “Bisher habe ich das Krankenhaus noch nicht wirklich gebraucht… Die Versicherung spare ich mir.”
Was bei dieser Argumentation leider vergessen wird ist folgendes:
- Aktuell bist du vermutlich noch jung. Je älter du wirst, desto wahrscheinlicher wird es, dass du das Krankenhaus brauchst.
- Das staatliche Krankensystem wird in 15-20 Jahren anders aussehen als heute. Je später du ins Zusatzversicherungssystem einsteigst, desto teurer wird es, oder im worst-case wirst du aufgrund von Vorerkrankungen gar nicht mehr versichert.
Deinen Sitzgurt beim Auto hast du vermutlich auch noch nicht so oft gebraucht, da du nicht tagtäglich Unfälle hast. Du schnallst dich aber trotzdem bei jeder Fahrt an, oder? Die Krankenzusatzversicherung ist sowas wie der Sitzgurt im Krankensystem 😉 Generell ist es bei Versicherungen so, dass einem erst bewusst wird, wie essentiell sie sind, wenn man sie braucht.
Du kannst dir die Versicherung wie ein Stück Kohle vorstellen, dass du in deiner Hosentasche trägst…
Es kommt dir mehr wie eine Belastung vor. Deine Kleidung wird dreckig und schön anzusehen ist die Kohle auch nicht. Doch dann wenn du sie brauchst, verwandelt sich die Kohle in einen Diamanten.
Zusammenfassend gesagt…
Deine Entscheidungen sollten aufgrund von Fakten & Expertenwissen getroffen werden und nicht aufgrund von einzelnen Erlebnissen im Leben eines Menschen.
“Das brauchst du nicht, das habe ich auch nicht / Das brauchst du, das habe ich auch” oder sein Bruder “Das hat bei mir funktioniert / Das hat bei mir nicht funktioniert” ist deshalb als Ratschlag sehr oft wertlos.
Im Worst-Case führt der Ratschlag zu einer so schweren Fehlentscheidung wie die von Doug Ivester bei Coca-Cola
Deine nächsten Schritte
1. Falls du mehr über die Krankenzusatzversicherung wissen willst…
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2. Wenn du generell wissen willst worauf’s für dich als Uni- oder FH-Absolvent ankommt wenn’s um Versichern, Vorsorge & Finanzen geht…
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