Zahnzusatzversicherung in Österreich: Was sie leistet und wann sie sich lohnt
Inhaltsverzeichnis
- Was Zahnbehandlungen in Österreich kosten — und was die ÖGK übernimmt
- Was eine Zahnzusatzversicherung in Österreich abdeckt
- Welche Varianten es gibt
- Was eine Zahnzusatzversicherung in Österreich kostet
- Wann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist — und wann nicht
- Fazit: Nicht für jeden, aber für manche die richtige Entscheidung
- Häufige Fragen zur Zahnzusatzversicherung in Österreich
Zahnarztrechnungen können ordentlich wehtun, und zwar nicht nur im Mund. In diesem Artikel schauen wir uns an, was Zahnbehandlungen kosten, was die ÖGK übernimmt und wann eine Zahnzusatzversicherung in Österreich wirklich Sinn macht (und wann nicht). Die Kernaussagen vorweg:
- Die ÖGK deckt die klassische Zahnbehandlung solide ab. Mundhygiene, festsitzender Zahnersatz und Zahnspangen für Erwachsene sind aber großteils Privatsache, und die Selbstbehalte steigen.
- Eine einzelne größere Zahngeschichte (Implantat, Krone, Zahnspange) kann schnell ein paar Tausend Euro kosten, ist aber in den meisten Fällen kein existenzbedrohendes Risiko.
- Die umfangreichen Kombo-Tarife (75 bis 110 € monatlich) setzen einen vollen stationären Tarif voraus und sind uns deshalb in den meisten Fällen zu teuer.
- Solo geht auch: Zahnersatzversicherung (rund 23 bis 30 € monatlich) und Zahnerhaltversicherung (rund 23 bis 25 € monatlich) lassen sich einzeln oder kombiniert (rund 44 bis 63 € monatlich) abschließen. Diese Variante ist durchaus attraktiv.
- Wirklich spannend ist das Ganze vor allem, wenn du damit rechnest, dass du gröbere Probleme mit deinen Zähnen bekommen wirst.
Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Amerikaner Schwierigkeiten Gummi zu beschaffen. Aufgrund des Konflikts mit Japan fehlte der Zugang zum Naturkautschuk. Gummi war jedoch für praktisch alle Geräte, die in den Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwendet wurden, unverzichtbar. Vor allem als Material für Reifen (egal ob für Flugzeug oder Fahrzeug) war Kautschuk essenziell.
Dem Chemiker Waldo Semon gelang es schließlich synthetischen Kautschuk (Ameripol) herzustellen und die USA unabhängig von den natürlichen Ressourcen in Asien zu machen. Er ermöglichte den Amerikanern fast eine Million Tonnen des notwendigen Gummis zu erzeugen. Ohne den synthetischen Gummi hätten die Alliierten den Krieg vielleicht verloren.
Kautschuk war für die Alliierten lebensnotwendig.
Sie gehört nicht zu den existenzbedrohenden Risiken, vor denen du deine Finanzen unbedingt schützen musst. Sie ist nicht so essenziell wie Kautschuk für die Alliierten. Vor manchen Tarifen würden wir sogar strikt abraten. Doch es gibt auch Varianten, die interessant sein können.
Deshalb klären wir in diesem Artikel Schritt für Schritt: was Zahnbehandlungen in Österreich überhaupt kosten und was die ÖGK übernimmt, was eine Zahnzusatzversicherung deckt und welche Varianten es gibt, was sie kostet und warum wir sie oft nicht empfehlen (und wann sie doch Sinn macht).
Starten wir mit den Basics…
Was Zahnbehandlungen in Österreich kosten — und was die ÖGK übernimmt
Um zu verstehen, ob eine Zahnzusatzversicherung für dich Sinn macht, musst du zuerst wissen, was die gesetzliche Krankenversicherung leistet und wo sie aufhört zu zahlen.
Was die Pflichtversicherung beim Zahnarzt wirklich abdeckt
Die gute Nachricht zuerst: Die klassische Zahnbehandlung ist in Österreich solide abgedeckt. Füllungen, Wurzelbehandlungen, Zahnsteinentfernung oder das Ziehen von Zähnen übernimmt die ÖGK bei Vertragszahnärzten zur Gänze nach Kassentarif. Du steckst deine e-card und zahlst für die Standardleistung nichts dazu.
Gehst du zu einem Wahlzahnarzt, bekommst du 80 % der tariflichen Kosten zurück. ACHTUNG: Das sind 80 % vom Kassentarif, nicht 80 % von dem, was du tatsächlich bezahlst. Wahlzahnärzte legen ihr Honorar frei fest. Die Differenz musst du zahlen.
Vorweg: Das kann sich natürlich im Laufe der Zeit wieder ändern und ist bei ÖGK, BVAEB & Co vermutlich wieder leicht anders.
- Mundhygiene ist für Erwachsene in der Regel keine Kassenleistung. Die zahlst du privat (nur Kinder und Jugendliche von 10 bis 18 bekommen sie einmal pro Jahr).
- Festsitzender Zahnersatz (Kronen, Brücken und Implantate) ist grundsätzlich eine Privatleistung. Zuschüsse gibt es nur in besonderen medizinischen Ausnahmefällen.
- Beim sogenannten unentbehrlichen Zahnersatz (z. B. abnehmbare Prothesen) zahlt die ÖGK zwar mit, seit Mai 2026 liegt der Selbstbehalt aber bei 30 % der tariflichen Kosten (davor waren es 25 %).
- Zahnspangen für Erwachsene übernimmt die Kasse nicht.
- Bei Kindern und Jugendlichen gibt es die „Gratis-Zahnspange“ nur bei erheblichen Fehlstellungen und seit 2026 wurden die Kriterien für die Kostenübernahme bei Zahnregulierungen sogar noch verschärft.
Der Trend geht nur in eine Richtung: Die ÖGK spart, die Selbstbehalte steigen. Im Durchschnitt wird man beim Zahnarzt immer mehr aus der eigenen Tasche bezahlen.
Typische Eigenkosten: Implantat, Krone, Zahnspange im Überblick
Damit du ein Gefühl bekommst, über welche Beträge wir reden (die Preise variieren je nach Region, Praxis und Material; Stand 2026):
- Implantat inkl. Krone: meist rund 1.800 bis 3.500 €, je nach Aufwand auch mehr. Ist zusätzlich ein Knochenaufbau nötig, kommt hier nochmals ordentlich etwas dazu.
- Krone: Hier kannst du grob mit 800 bis 1.500 € rechnen (pro Zahn).
- Festsitzende Zahnspange: eine mehrjährige Behandlung wird bei rund 8.000 € und mehr landen. Womöglich etwas günstiger sind nicht festsitzende Spangen.
- Mundhygiene: je nach Praxis zwischen 100 bis 200 € pro Sitzung.
Wie man sieht, geht’s hier gar nicht um so wenig Geld.
Wann eine Zahnzusatzversicherung die Lücke schließen kann
Genau bei diesen Privatleistungen setzt die Zahnzusatzversicherung an: Sie übernimmt (je nach Tarif) einen Gutteil der Kosten für Zahnersatz, hochwertige Behandlungen und Mundhygiene. Bei Zahnspangen sind je nach Tarif die Summengrenzen nicht (immer) berauschend.
Was eine Zahnzusatzversicherung in Österreich abdeckt
Bei einer Privatarztversicherung ist das Thema Zahn meist nicht inkludiert. Generell gilt für eine Krankenzusatzversicherung gedanklich immer eine Aufteilung in drei Teile:
- Stationär (= Sonderklasse im Krankenhaus)
- Ambulant (= Privatarzt, Physio, Medikamente & Co)
- Zahn (= alles was mit dem Zahnarzt zusammenhängt)
Um mehr über die stationäre bzw. ambulante Versicherung zu erfahren, kannst du den Links von vorhin folgen. Wir widmen uns in diesem Artikel, wie du dir unschwer denken kannst, rein der Zahnzusatzversicherung.
Zahnbehandlung, Zahnersatz und Prophylaxe: was typischerweise drin ist
Ein voller Zahntarif bezahlt in den meisten Fällen für:
- Konservierende Zahnbehandlungen
- Zahnröntgen
- Zahnextraktion
- Prothetische Versorgung (Kronen, Brücken)
- Kieferchirurgische Behandlungen
- Zahnimplantate / Zahnersatz
- Parodontose
- Kieferregulierung
- Mundhygiene
Allerdings sind die Leistungen nach oben gedeckelt. Der Höchstsatz bewegt sich im Großteil der Fälle zwischen 3.000 bis 4.000 € pro Kalenderjahr. Dieser Höchstsatz ist üblicherweise gestaffelt – d.h. im ersten Jahr wird weniger geleistet als im dritten Jahr. Im dritten (oder manchmal auch fünften Jahr) ist dann der Höchstsatz erreicht und steigt nicht mehr weiter an. Je nach Anbieter und Tarif werden 60 – 90 % der Kosten bezahlt.
Kieferorthopädie: wann sie mitversichert ist
Die Kieferregulierung (sprich: Zahnspange) ist ein Sonderfall und einer der Punkte, bei denen sich die Tarife am stärksten unterscheiden:
- In den umfangreichen Zahntarifen ist die Kieferorthopädie meist mitversichert, allerdings fast immer nur bei medizinischer Notwendigkeit. Bestimmt wird dies meist ab einem bestimmten Schweregrad der Fehlstellung (in Österreich wird dafür der sogenannte IOTN-Index herangezogen, üblich ist Stufe 3 oder höher). Rein ästhetische Korrekturen sind oftmals auch nicht gedeckt.
- Üblich sind eigene Jahreslimits für die Zahnspange. Außerdem musst du den Heilkostenplan deines Kieferorthopäden meist vor Behandlungsbeginn bei der Versicherung einreichen.
- Bei den Solo-Tarifen schaut es generell schwächer aus. Dort ist die Kieferorthopädie für Erwachsene üblicherweise nur nach einem Unfall gedeckt und/oder die Erstattungsgrenzen für Zahnspangen sind relativ niedrig.
Kurz gesagt: Eine Zahnzusatzversicherung zahlt sich NUR wegen Kieferregulierung oftmals nicht aus. Wenn dies für dich ein entscheidender Punkt ist, muss man sich das ganz genau im Detail ansehen.
Was in den meisten Tarifen nicht enthalten ist
Ein paar Dinge sind fast bei allen Tarifen ausgeschlossen:
- Rein kosmetische Behandlungen wie Veneers ohne medizinische Notwendigkeit, Zahnschmuck, Home-Bleaching-Kits & Co. Zur Info: In-Office-Bleaching kann in manchen Tarifen als Vorsorgeleistung gedeckt sein.
- Alles, was vor Versicherungsbeginn schon da war (ACHTUNG: das gilt nicht bei allen Tarifen). Bei den meisten Solo-Tarifen sind bereits bestehende Zahnlücken, laufende Behandlungen und alles, was dir dein Zahnarzt vor Abschluss bereits angeraten hat, nicht versichert. Dazu gleich mehr.
- Der Grundsatz der medizinischen Notwendigkeit gilt auch bei der Zahnzusatzversicherung. D.h. die Behandlung muss medizinisch notwendig sein bzw. sonst halt gesondert geregelt werden.
Welche Varianten es gibt
Zahnzusatz als Teil einer privaten Krankenversicherung
Ein Großteil der Tarife in Österreich ist allerdings nur in Kombination mit einer anderen Krankenversicherung abschließbar. Du brauchst also in der Mehrzahl der Fälle einen stationären Krankenversicherungstarif, damit du überhaupt einen Zahntarif abschließen kannst.
Eigenständige Zahnversicherungen — was sie können und was nicht
Doch es existieren auch vereinzelte Anbieter, die eine Zahnzusatzversicherung solo anbieten. Hier gibt es üblicherweise zwei Bausteine, die du einzeln oder kombiniert abschließen kannst:
Sie zahlt für medizinisch notwendige Zahnersatzmaßnahmen. Darunter fallen Kronen, Brücken, Prothesen, Implantate und die dazugehörigen Behandlungen. Da genau diese Themen nicht gerade günstig sind, kann so ein fokussierter Solo-Tarif durchaus sinnvoll sein.
Sie umfasst:
- Zahnvorsorgebehandlungen: Dazu zählen Mundhygiene, Fissurenversiegelung und Fluoridbehandlungen – bis zu ca. 250 € pro Jahr.
- Zahnerhaltbehandlungen: Hierunter fallen Füllungen, Inlays, Wurzelbehandlungen und Ähnliches. Erstattet werden bis zu 90 %, mit Leistungsgrenzen von ca. 300 € im ersten Jahr bis zu rund 1.900 € ab dem fünften Versicherungsjahr.
- Kieferorthopädie nach einem Unfall: Hier sind allerdings die Erstattungsgrenzen für Zahnspangen relativ niedrig.
Was bei bereits bestehenden Zahnproblemen gilt
Bei allen Versicherungen, die mit der Gesundheit zu tun haben, ist es üblich, dass du vor Abschluss Gesundheitsfragen beantworten musst. Die Zahnzusatzversicherung stellt dabei eine Ausnahme dar. Die umfangreichen Varianten, die ich vorhin beschrieben habe, verzichten auf Gesundheitsfragen zum Thema Zahn. Dort hast du stattdessen meist eine Wartezeit von 6-12 Monaten. D.h. in dieser Zeit wird seitens der Versicherung nichts bezahlt. Dein Versicherungsschutz greift erst nach der definierten Wartezeit.
Bei den Solo-Varianten einer Zahnzusatzversicherung spielt dein Gesundheitszustand jedoch eine Rolle. Hier wird zwar nicht bei Abschluss, aber vor Auszahlung einer Leistung geprüft, ob bereits vor Abschluss der Versicherung eine Zahnlücke bestand bzw. ein Zahn bereits provisorisch behandelt wurde. Der behandelnde Zahnarzt muss dafür meist einen Fragebogen ausfüllen.
Wir versuchen in diesem Artikel übrigens, so wenig wie möglich auf konkrete Anbieter zu verweisen. Denn diese können sich im Laufe der Zeit ändern. Die grundsätzliche Theorie bleibt aber meist gleich ?
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Was eine Zahnzusatzversicherung in Österreich kostet
Typische Preisspannen nach Leistungsumfang
Starten wir zuerst mit den umfangreicheren Tarifen. Wir sehen uns jetzt rein den Preis der Zahnzusatzversicherung an. Vergiss nicht: Du brauchst dazu auch einen vollen stationären Tarif, der meist zwischen 60 bis 120 € monatlich kostet (abhängig von Alter, Gesundheitszustand, etc.).
Je nach Anbieter ist die Prämie zwischen 75 € bis 110 € monatlich.
Die Preise und Leistungen unterscheiden sich von Versicherung zu Versicherung. In diesem Fall gehen wir von einem Tarif aus, der maximal 1.800 € im ersten Jahr bezahlt, maximal 2.700 € im zweiten Jahr und ab dem 3. Jahr nicht mehr als 3.600 € leistet (jeweils pro Jahr). Inhaltlich ist all das gedeckt, was wir vorhin beim umfangreicheren, vollen Zahnzusatztarif aufgezählt haben. Üblicherweise werden 80 % der Behandlungskosten getragen. Die Wartezeit beträgt 6 bis 12 Monate.
- Selbstbehalt von 140 € pro Jahr
- 60 % des Rechnungsbetrages werden vergütet
- Zu Beginn stehen max. 700 € zur Verfügung, ab dem dritten Jahr 1400 € und ab dem fünften Jahr 2800 € (jeweils jährlich).
- 6 Monate Wartezeit
Hier kommst du preislich auf ca. 32 € monatlich für Erwachsene (Kinder wären bei ca. 15 €). Inhaltlich ist der Tarif etwas abgespeckter als jener von zuvor. Und auch hier ist die Voraussetzung zum Abschluss ein zusätzlicher voller stationärer Tarif.
Einer der großen Unterschiede zu den bisher besprochenen Varianten ist, dass du diese Variante eben solo abschließen kannst. Du brauchst also keinen vollen stationären Tarif zusätzlich. Wie vorhin beschrieben gibt es hier zwei Bausteine — schauen wir uns beide preislich an.
Die Merkmale der Zahnersatzversicherung sind:
- Es werden nur medizinisch notwendige Zahnersatzmaßnahmen bezahlt
- 90 % des Rechnungsbetrags wird beglichen
- Keine Wartezeit, aber im ersten Jahr steht nur ein niedriger Höchstbetrag von rund 550 € zur Verfügung (außer bei Unfall)
- Der bisherige Gesundheitsstatus deiner Zähne spielt bei Leistungserbringung eine Rolle (noch nicht bei Abschluss)
Hier bewegen wir uns preislich (je nach Alter) zwischen rund 23 bis 30 € monatlich, bei Abschluss jenseits der 40 auch etwas darüber. Für Kinder ist diese Variante nicht möglich. Wenn du willst, kannst du dies auch selbst hier berechnen, da sich in der Zwischenzeit die Prämien vermutlich durchaus schon wieder verändert haben könnten: ERGO Zahnzusatz (Anmerkung: Wenn du über diesen Link direkt buchst, dann erhalten wir dafür eine kleine Vergütung).
Die Zahnerhaltversicherung liegt preislich bei rund 23 bis 25 € pro Monat. Kombinierst du beide Bausteine, bewegst du dich bei rund 44 bis 63 € monatlich (je nach Alter). Das ist durchaus attraktiv.
ACHTUNG: Auch die Allianz bietet einen Solo-Zahntarif. Generell bitte einfach bei uns melden, wenn der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung für dich spannend ist.
Kurz nochmals im direkten Vergleich zusammengefasst:
Welche Faktoren die Prämie beeinflussen
Die kurze Antwort: bei den Solo-Tarifen fast ausschließlich dein Eintrittsalter. Gesundheitsfragen gibt es dort keine, also gibt es auch keine Risikozuschläge. Je jünger du beim Abschluss bist, desto günstiger die Prämie, und die bleibt dann (abgesehen von den üblichen jährlichen Wertanpassungen) auf diesem Niveau.
Bei den Kombo-Tarifen kommt der Preis der verpflichtenden stationären Hauptversicherung dazu und die hängt sehr wohl von Alter UND Gesundheitszustand ab. Außerdem beeinflussen natürlich Leistungsumfang und Leistungsquote des gewählten Zahntarifs die Prämie.
Wann eine Wartezeit gilt und was das bedeutet
Wartezeit bedeutet: Die Versicherung läuft zwar schon (und du zahlst Prämie), aber sie leistet noch nicht. Erst nach Ablauf der Wartezeit greift dein Schutz. Die Versicherung will damit verhindern, dass jemand abschließt, weil er nächste Woche zum Zahnarzt muss.
In der Praxis schaut das so aus:
- Umfangreiche Kombo-Tarife: meist 6 bis 12 Monate Wartezeit (dafür keine Gesundheitsfragen zum Thema Zahn). Die Leistungssumme ist in den ersten Jahren meist niedriger und nach ein paar Jahren dann am „echten“ Limit.
- Solo-Tarife: meist keine Wartezeit. Der Schutz gilt ab dem ersten Tag. Dafür arbeiten diese Tarife auch mit einer Leistungsstaffel: Im ersten Jahr steht nur ein niedriger Höchstbetrag zur Verfügung, der über die Jahre ansteigt. Bei einem Unfall gilt üblicherweise sofort der volle Höchstbetrag.
Wann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist — und wann nicht
Für wen sie sich rechnet
Generell gibt es für uns ein paar Umstände, bei denen eine Zahnzusatzversicherung spannend sein kann:
Deine Eltern haben Probleme mit den Zähnen? Du gehst stark davon aus, dass früher oder später bei dir ebenfalls Beschwerden auftreten? Dann kann eine Zahnzusatzversicherung Sinn machen. Falls deine ganze Familie Gebiss-Schönheitswettbewerbe gewinnen würde, dein Zahnarzt dich bei jedem Besuch lobt und du noch nie eine Zahnbehandlung benötigt hast, dann wird von einer Zahnzusatzversicherung eher abzuraten sein.
Wenn du gut verdienst, damit rechnest, dass durchaus mal ein Zahnproblem auftreten könnte und dir der Preis mehr oder weniger egal ist, dann kann eine Zahnzusatzversicherung natürlich auch völlig legitim sein. Natürlich könnte man argumentieren, dass du in dem Fall das Geld dann auch selbst sparen kannst. Doch eine Versicherung hat auch immer einen psychologischen Vorteil und die Solo-Bausteine kosten meist nur rund 23 € bis 30 € monatlich.
Warum FiP.S sie oft nicht empfiehlt — und was die Arbeiterkammer dazu sagt
In den meisten Fällen ist eine Zahnzusatzversicherung schlicht und ergreifend zu teuer. Das ist der Hauptgrund, warum wir von einer Zahnzusatzversicherung abraten. Das gilt vor allem für die umfangreichen Tarife, bei denen es Grundvoraussetzung ist, dass du zusätzlich einen vollen stationären Tarif hast.
Denn speziell wenn du um die 30 Jahre alt bist, ist ein voller stationärer Tarif im Großteil der Fälle nicht die erste Wahl. Hier ist ein Optionstarif zu bevorzugen (hol dir unseren ultimativen Guide zum Thema Krankenzusatzversicherung am Ende des Artikels für mehr Infos zu dem Thema). Doch ein Optionstarif allein reicht nicht aus, um einen umfangreichen Zahnzusatztarif abschließen zu können. Dazu wäre eben bereits ein voller Tarif in Kombination notwendig.
Auch der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer sieht Zahnversicherungen kritisch. Das heißt nicht, dass die AK oder der Konsumentenschutz immer recht haben, aber in dem Fall ist die Kritik nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Kernaussage der AK Oberösterreich: hohe Prämien, eingeschränkte Leistungen und viele Tarife sind eben nur in Kombination mit einer umfassenden privaten Krankenversicherung abschließbar.
Hier hält sich der Preis in Grenzen und wir würden von einem Abschluss nicht kategorisch abraten.
Worauf du beim Vergleich von Tarifen achten solltest
Falls du dich für eine Zahnzusatzversicherung entscheidest, vergleich nicht nur die Monatsprämie. Diese Punkte machen den Unterschied:
- Leistungsquote: Werden 60, 80 oder 90 % der Rechnung erstattet? Bei einer 3.000-€-Rechnung sind das schnell 900 € Unterschied.
- Leistungsstaffel: Wie viel steht im ersten Jahr zur Verfügung, wie viel ab dem fünften? Ein hoher Maximalbetrag bringt dir nichts, wenn du ihn erst in ferner Zukunft ausschöpfen kannst.
- Wartezeit vs. Staffel: Keine Wartezeit klingt gut, schau aber, was im ersten Jahr tatsächlich gezahlt wird.
- Ausschlüsse: Was gilt bei bestehenden Zahnproblemen, Zahnlücken und bereits angeratenen Behandlungen? Hier passieren die meisten bösen Überraschungen.
- Kieferorthopädie: Nur nach Unfall oder auch regulär? Ab welchem Schweregrad? Mit welchem Limit?
- Voraussetzungen: Brauchst du einen vollen stationären Tarif dazu und willst du den überhaupt?
Fazit: Nicht für jeden, aber für manche die richtige Entscheidung
Wie eingangs erwähnt, halten wir die Zahnzusatzversicherung in Österreich nicht für eine Must-have-Versicherung bzw. lebensnotwendig. Sie ist nicht so essenziell wie es der Gummi für die Streitkräfte der Alliierten war.
Ob eine Zahnzusatzversicherung für dich jetzt spannend ist oder nicht, wird von deiner persönlichen Situation abhängen. Dieser Artikel soll als erster Überblick dienen. Wie du zur besten Zahnzusatzversicherung kommst und welche Versicherungen so entscheidend sind wie der Kautschuk für die Streitkräfte, findest du heraus, wenn du weiterliest…
Häufige Fragen zur Zahnzusatzversicherung in Österreich
Was deckt eine Zahnzusatzversicherung in Österreich ab?
Was kostet eine Zahnzusatzversicherung in Österreich pro Monat?
Lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung überhaupt?
Kann ich eine Zahnzusatzversicherung ohne private Krankenversicherung abschließen?
Was gilt bei bereits bestehenden Zahnproblemen?
Ist Kieferorthopädie bei der Zahnzusatzversicherung mitversichert?
Welche Wartezeiten gelten bei der Zahnzusatzversicherung?
Was zahlt die ÖGK beim Zahnarzt?
1. Wenn du herausfinden willst, worauf es bei Versicherungen wirklich ankommt, welche drei Finanzplanungsfehler du nicht begehen darfst und wie du zu Akademikerboni in allen Finanz-Bereichen kommst, dann solltest du dir unseren ultimativen Finanzplanungsguide downloaden.
Der ultimative Finanzplanungsguide für Uni- und FH-Absolventen bzw. Studenten
2. Hier kannst du dir unseren Krankenzusatzguide holen:
Hol dir den ultimativen Guide zum Thema Krankenzusatzversicherung
3. Falls du tatsächlich eine Zahnversicherung benötigst oder generell mit deiner smarten Finanzplanung starten willst, dann schau dir an was wir für dich machen können: