5 Finanz- und Lebensentscheidungen, die ich in 20 Jahren nicht bereuen werde - Teil I

Mann und Frau mit Gedankenblasen YES oder NO

Was haben Seeotter mit langfristigen Entscheidungen zu tun?

Seeotter, die in Gebieten mit viel Seetang leben, sind ein entscheidender Teil des Ökosystems. Seeotter fressen nämlich Seeigel. Seeigel wiederum fressen gerne Seetang. Wenn in einem Ökosystem genug Seeotter leben, dann sogen sie dafür, dass die Seeigel-Population nicht zu groß wird. Doch warum könnte das wichtig sein?

Die Seeigel würden ansonsten den gesamten Seetang fressen. Das würde dazu führen, dass die Seeigel selbst aussterben würden. Seetang spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Der Seeotter ist das einzige Tier, das diese Nische füllen kann und das Ökosystem von Seetangwäldern aufrechterhält. Jede Entscheidung, die eine Auswirkung auf die Seeotterpopulation hat, muss also auch unter diesem Gesichtspunkt getroffen werden, um es auf lange Sicht nicht zu bereuen.

Für Finanz-Entscheidungen gilt dies genau so

Wir müssen vermeiden, Entscheidungen zu treffen die wir später bereuen. Egal ob wir die langfristigen Konsequenzen falsch eingeschätzt haben, oder vielleicht gar nicht über sie nachgedacht haben. Wenn ich finanzielle oder generell Lebensentscheidungen treffe, versuche ich mir immer folgende Frage(n) zu stellen:

  • Werde ich diese Entscheidung in 15 oder 20 Jahren bereuen? 
  • Was wird mein zukünftiges Ich dazu sagen?

Ich betrachte in diesem Artikel 5 Entscheidungen, die ich in zwanzig Jahren NICHT bereuen werde (inkl. einer Analyse, warum ich die gegenteilige Entscheidung bereuen würde). Bevor wir mit der ersten Entscheidung starten, sollten wir aber noch ein paar Grundregeln für finanzielle bzw. generell Lebens-Entscheidungen festlegen:

1. Fast jede Entscheidung beruht auf unvollständigen Informationen

Es ist praktisch unmöglich eine Entscheidung zu treffen bei der man sich zu 100% sicher sein kann, dass es der richtige Entschluss war. Wir alle können unsere Wahl nur basierend auf den Informationen treffen, die wir gesammelt haben. 

Jocko Willink schreibt:

There is no 100 percent right solution. The picture is never completeWaiting for the 100 percent right and certain solution leads to delay, indecision, and an inability to executeOutcomes are never certain; success never guaranteed. Even so, business leaders must be comfortable in the chaos and act decisively amid such uncertainty.

Du bist vielleicht kein “business leader”, doch das Prinzip gilt auch für unsere finanziellen Entscheidungen bzw. für alle Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen. Manchmal werden wir eine dumme Wahl treffen, die zu einem super Resultat führt. Und manchmal werden wir eine smarte und intelligente Entscheidung treffen, die in einer Bauchlandung endet. Erfolg ist sehr oft viel mehr von Glück abhängig als manche Menschen sich eingestehen wollen. Und Versagen bedeutet nicht, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat. Manchmal landet man auf der unglücklichen Seite des Risikos.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass harte Arbeit, ein vernünftiger Plan und ausreichende Recherche unwichtig sind und nichts mit Erfolg zu tun haben

Natürlich sind diese Dinge wichtig. Doch Glück und Pech sollte man nicht außer Acht lassen. Selbst wenn du mir bis hierher zustimmst, wirst du dich selbst dabei erwischen (da ich mich auch selbst dabei erwische), dass du voreilige Schlüsse ziehst, wenn es um Versagen und Erfolg geht. Die Erfolgreichen werden bewundert und ihrer Meinung wird viel Beachtung geschenkt, während die Versager, die vielleicht genauso smart sind, jedoch Pech hatten, links liegen gelassen werden. Eine getroffene Entscheidung nur anhand ihres Ergebnisses zu beurteilen, ist ein Fehler, der oftmals gemacht wird. Nicht das Ergebnis, sondern die (richtige) Entscheidung zählt.

Wenn du also über Entscheidungen nachdenkst, solltest du das im Kopf haben. Voltaire hat gesagt: “Doubt is an unpleasant condition, but certainty is absurd.” Wir können uns nie zu 100 % sicher sein, dass eine Entscheidung zu dem Ergebnis führt, dass wir uns wünschen. Doch wenn wir immer wieder gute Entscheidungen treffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu denen gehören die “Glück” haben. 

2. Die meisten Entscheidungen sollten unter der Berücksichtigung eines längeren Zeithorizonts getroffen werden

Shane Parrish schreibt:

Instead of thinking in three-year time horizons, where I’m competing against a lot of smart people, I think in ten-year horizons.

And you know what? Few people are willing to do that. And because few people are willing to do that, there is less competition. Because there is less competition, my odds improve (even if just a little)… Timelines are one of the most unrecognized sources of advantage today. So many people are focused on instant gratification that they miss the bigger opportunities.

Auch diese Textpassage kann man auf jede Entscheidung und Situation im eigenen Leben umlegen. Egal ob es sich um eine finanzielle Entscheidung oder nicht handelt. Deshalb zwinge ich mich selbst dazu mir immer wieder die Fragen “Werde ich diese Entscheidung in 15 oder 20 Jahren bereuen?” und “Was wird mein zukünftiges Ich dazu sagen?” zu stellen. 

Schwierig ist dabei vor allem, eine Entscheidung nicht nach 6 Monaten wieder zu ändern. Klar, wenn sich die Situation grundlegend verändert hat und neu bewertet werden muss, dann kann sich auch eine Entscheidung ändern. Doch oftmals würden wir alle davon profitieren, wenn wir mehr wie Michael Jordan denken würden, der gesagt hat: “Once I made a decision, I never thought about it again.”

Du bist bis hierher hoffentlich nicht eingeschlafen, sondern bist schon gespannt darauf, bei welchen Entscheidungen ich mir, absurderweise, sicher bin sie in 20 Jahren NICHT zu bereuen.

Starten wir mit Nummer 1…

#1

Investments zu tätigen, wenn die Märkte auf Talfahrt sind

Bidl mit Weltkugel und roter Pfeil nach unten

Ich schreibe diese Zeilen jetzt gerade an einem Montagmorgen, an dem der Bitcoin Kurs nach wochenlanger Talfahrt am Wochenende nochmals um mehr als 20 % gefallen ist und sich irgendwo um die 20.000 $ befindet. Gleichzeitig sind auch die Aktienmärkte deutlich gefallen. 

Und ja, ich bin bei den aktuellen Kursen ein Käufer, auch wenn ich annehme, dass es noch weiter nach unten gehen kann

Nur zur Sicherheit: Das bedeutet nicht, dass du Bitcoin kaufen solltest. Das ist KEINE Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kaufen. Egal um welches Investment es geht, wir können nicht erwarten, dass alles durchgehend nach oben geht (auch wenn wir vielleicht gerade eine Periode erlebt haben, in der dies der Fall zu sein schien). Wenn wir Bitcoin als Beispiel nehmen, muss man sich die Frage stellen: Hat sich fundamental irgendetwas verändert? Ist die Situation auf lange Sicht (>10 Jahre) anders als bei eine deutlich höheren Kurs? Wenn die Antwort darauf nein ist, warum sollte sich dann unsere Strategie ändern?

Manchmal ist Geld sparen und investieren unangenehm

Doch besessen vom aktuellen Stand des eigenen Portfolios zu sein, speziell in einem Bärenmarkt (=fallende Kurse), ist ein Rezept zum unglücklich sein. Manche Investments werden sich auf lange Sicht besser und manche schlechter entwickeln. Wenn dein Finanzplan Perfektion verlangt, dann wirst du regelmäßig enttäuscht werden. Wenn jedes Investment innerhalb von ein bis zwei Jahren einen Gewinn abwerfen muss, damit du die Nerven nicht wegwirfst, dann solltest du erst gar nicht investieren. Wenn dein Zeithorizont lange genug ist (siehe dazu unseren Artikel: Dieser Artikel verändert wahrscheinlich deine Einstellung zu langfristigem Investment), dann solltest du zwischenzeitliche Schwankungen ignorieren. 

Eines ist klar: Du und ich können die Schwankungen nicht beeinflussen

Also warum sollten wir uns darüber Gedanken machen? Warum sollten wir uns darüber sorgen? Wir haben keine Kontrolle darüber. Und ein Verlust, ist erst ein Verlust, wenn wir ihn tatsächlich realisieren und verkaufen. Aus rein psychologischer Sicht bin ich ein großer Fan laufend zu investieren, denn dann wird kein einzelner Kauf unser Schicksal besiegeln. 

Doch was ist, wenn ein Investment auf 0 fällt und nicht mehr einbringbar ist?

Alles ist weg. Ich persönlich beuge dem vor, indem ich nicht mein gesamtes Vermögen in ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Idee investiere. Sollte ich eine größere Allokation in einem einzelnen Thema haben, dann bin ich von dieser Idee überzeugt und wenn ich doch falsch liege oder ein “schwarzer Schwan” auftaucht (also ein sehr unwahrscheinliches Ereignis), dann kann ich mit den Konsequenzen leben.

Ich würde es allerdings bereuen meinen Plan zu verwerfen

Wenn ich aufgrund einer Marktschwankung, mit der man immer rechnen muss, meinen Plan verwerfen würde, dann würde ich das auf lange Sicht richtig bereuen. Ich tätige keine Investments mit einem Zielhorizont von 3 Jahren. In 3 Jahren kann alles passieren. Mein Anlagehorizont ist >10 Jahre und je nach Investment vielleicht auch 20 Jahre und länger. Langfristiges Denken  ist in allen Lebensbereichen, aber besonders wenn es um die eigenen Finanzen geht, entscheidend für den Erfolg. 

Das bedeutet nicht, dass ich mich freue, wenn ich mir mein Vermögen ansehe und minus 40 % vom Höchststand sehe, doch deshalb werde ich es auch nicht bereuen:

#2

Mein Portfolio zu ignorieren, wenn die Märkte nach unten gehen

Mann und Frau mit verbundenen Augen und Kopfhörer

Ich habe es schon vorhin erwähnt – ich lege nicht auf drei Jahre an. Und schon gar nicht auf drei Monate, drei Wochen oder drei Tage. Ich habe natürlich ein Gefühl dafür, wo mein Portfolio ungefähr steht, da ich die Märkte beruflich und privat verfolge, doch ich sehe mir, wenn es nach unten geht, nicht meine persönlichen exakten Zahlen an. Warum soll ich mir das antun? Was würde es ändern? Würde ich deshalb meine durchdachte und geplante Strategie ändern? Nein. Dazu brauche ich die Detailwerte nicht. Wenn sich grundlegend etwas verändert, dann muss ich sowieso handeln. Wenn dies nicht der Fall ist: Was bringt mir dann die exakte Zahl, außer sinnlosen Schmerz?

Ich werde nicht in 15 Jahren zurückschauen und mir denken:

Hätte ich doch tagtäglich jede Schwankung meines Depots, meiner fondsgebundenen Lebensversicherung und generell meines Vermögens verfolgt. Das hätte mich so viel glücklicher gemacht.

Wenn doch, dann ist irgendetwas in meinem Leben schief gegangen 😉 Wenn wir uns historische Werte ansehen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ergebnisses bei einer laufenden Ansparung in 100 % Aktien bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren bei 97 %. Bei 20 Jahren Laufzeit sogar schon bei 100 %. Bei einem Jahr bei nur 65 % (für alle Details zu den Werten siehe unseren Artikel Dieser Artikel verändert wahrscheinlich deine Einstellung zu langfristigem Investment). Das ist einer der Gründe, warum ich nicht kurzfristig mein Geld investiere. Ich bin und will kein Daytrader sein.

Wie lange dauern “Bärenmärkte” üblicherweise?

Die längste Phase in den letzten 70 Jahren dauerte fast 6 Jahre (von Ende 1974 bis 1980). Ebenfalls relativ lange hat es vom absoluten Höchstpunkt der Dot-Com Blase zur Jahrtausendwende bis zum Break-even-point 2007 gedauert (etwas unter 5 Jahre vom absoluten Tiefpunkt bis zum vorherigen Höchststand). Ähnlich sieht es mit der Finanzkrise 2009 aus. Hier war der Tiefpunkt im März 2009 und erst 2013 wurde das vorherige Hoch wieder erreicht. Fünf oder sechs Jahre hört sich sehr lange an, doch wenn du >10 Jahre Zeit hast, ist es nicht so dramatisch. Zusätzlich gilt es eines zu beachten:

Die anderen “Bärenmärkte” in den letzten 70 Jahren waren deutlich kürzer

Im Durchschnitt (inklusive der oben genannten) sprechen wir von etwas unter 2 Jahren, bis das Allzeit-Hoch wieder erreicht wurde. Die historische Betrachtung ist zwar keine Garantie für die Zukunft, jedoch zumindest ein grober Anhaltspunkt. Das Unangenehme an Bärenmärkten ist, dass man nie weiß, wie schlimm sie werden. Das Gute ist, dass sie auch eine Chance sind, um günstig einzukaufen. Wenn dein Zeithorizont lange genug ist, kannst du so sehr entspannt dein Geld investieren. Zumindest wenn du nicht jeden Tag dein Portfolio beobachtest 🙂

Der Drang sein Portfolio zu beobachten, wenn es nach unten geht, ist wie ein Gelsenstich

Es fühlt sich schlecht an, an der Einstichstelle nicht zu kratzen (=nicht nachzusehen, wie dein Portfolio steht) und es fühlt sich gut an, zu kratzen (=zu wissen, wie man aktuell dasteht). Das Problem beim Gelsenstich ist natürlich, dass man sich kurz nach dem Kratzen meist wünscht, man hätte es gelassen. Nachher juckt es noch mehr. Wenn du deinen Depotstand in fallenden Märkten religiös verfolgst, bereust du das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Glaub mir: Je weniger du es dir ansiehst, desto weniger tut es weh.

Ich habe das Gelsenstich Beispiel übrigens in dem hervorragenden Buch “A Guide to the Good Life” von William B. Irvine gelesen (dort gings allerdings um Ärger und nicht um die eigenen Finanzen). Nachdem es zu einem “guten” Leben auch gehört Geld auszugeben, sollten wir zu Punkt #3 kommen, den ich in zwanzig Jahren nicht bereuen werde…

Genau das machen wir auch in Teil II dieses Blog-Artikels.

Bevor du zu Teil II springst:

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Autor: Florian Märzendorfer

Fan von indischem Essen, Finanzplaner & Co-Founder von FiP.S.

Hasst Strandurlaube & verabscheut Beistrichregeln.

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