Warum kurzfristiges Denken dein Finanzleben zerstören kann und wie ein Odysseus Pakt helfen kann langfristig zu denken

Odysseus und Sirenen

Was ist ein Odysseus Pakt und was bedeutet er für deine Finanzen?

Ich habe schon öfter über Odysseus und seine Abenteuer geschrieben. Dir ist die Geschichte mit den Sirenen vermutlich bekannt. Falls nicht, hier nochmals die Kurzform: Odysseus wollte die Sirenen unbedingt hören. Deshalb schloss er mit seiner Crew folgende Abmachung: Die Crew selbst stopft sich die Ohren mit Wachs zu, um vom Gesang der Sirenen nicht beeinflusst zu werden. Odysseus binden sie am Mast fest, damit er dem Gesang der Sirenen zwar lauschen kann, aber nicht zu ihnen ins Wasser springt. 

Odysseus wusste, dass er nicht mehr rational denken kann, sobald er die Sirenen hört. Deshalb vereinbarte er mit seinen Männern, dass sie strikt am Kurs festhalten – egal was passiert. Sollte er sich aus seinen Fesseln befreien können, dann müssen sie ihn attackieren. Als Odysseus die Sirenen hört, wird er wie erwartet, vorrübergehend wahnsinnig. Doch die Fesseln halten und die Crew manövriert ihn sicher durch die Gewässer. Die Abmachung von Odysseus und seiner Crew ist als Odysseus-Pakt bekannt und beschreibt einen Vertrag bzw. eine Abmachung, die ein zukünftiges Problem bereits heute klug und rational lösen soll. 

Einen Odysseus Pakt einzugehen, ist ein hervorragendes Beispiel für langfristiges Denken

Du bewahrst dich jetzt vor dummen Entscheidungen, die du vielleicht später triffst (wie zum Beispiel ins Wasser zu den Sirenen zu springen und somit den sicheren Tod zu wählen). Besonders wenn es um Versicherungen und Finanzen geht, ist es wichtig langfristig zu denken und “short term thinking” so gut wie möglich zu verbannen. 

Wir besprechen in diesem Artikel deshalb:

  • Was bedeutet Langzeit-Denken überhaupt und warum ist es so wichtig?
  • Was können wir daraus für unsere Versicherungen und Finanzen schließen (inkl. konkreter Beispiele)
  • Wie kannst du sicherstellen, dass du so oft wie möglich langfristig denkst?

Starten wir mit…

Was bedeutet Langzeit-Denken überhaupt und warum ist es so wichtig?

Mann und Frau mit Glühbirnen und Fragezeichen

Elon Musk sagte auf einer Party einmal zu einem der anderen Gäste: „Ich denke gerade viel über Elektroautos nach. Denkst du auch über Elektroautos nach?“

Falls du dich gerade fragst, was das mit langfristigem Denken zu tun hat: Die Party fand im Jahr 1989 statt, Tesla wurde 2003 gegründet. Das beweist zwar nicht, dass Elon Musk seit 1989 durchgehend über das Thema nachgedacht hat, aber es zeigt, dass er vorausschauend gedacht hat. Langfristig zu denken, muss sich nicht immer über mehr als ein Jahrzehnt ziehen. Naval Ravikant beschreibt Weisheit so: „My definition of wisdom is knowing the long-term consequences of your actions.“ 

Dies setzt einerseits voraus, dass man die langfristigen Konsequenzen abschätzen kann und andererseits, dass man überhaupt mal langfristig denkt. 

„Timelines are one of the most unrecognized sources of advantage today. So many people are focused on instant gratification that they miss the bigger opportunities.“ – Shane Parrish

Was bedeutet das für Shane konkret? Eines seiner Denkmodelle sieht so aus:

„So here’s what I do. Instead of thinking in three-year time horizons, where I’m competing against a lot of smart people, I think in ten-year horizons.

And you know what? Few people are willing to do that. And because few people are willing to do that, there is less competition. Because there is less competition, my odds improve (even if just a little).“

Doch wenn es um langfristiges Denken und deine Finanzen geht, dann musst du nicht an Konkurrenz oder den Wettbewerb gegen andere denken. Das Rennen der persönlichen Finanzen läufst du nur gegen dich selbst. Die entscheidende Frage ist, ob du dein Tempo erhöhen musst oder ob du überhaupt auf der richtigen Strecke läufst 😉

Gerade wenn du in Versuchung gerätst eine Entscheidung zu treffen, die sich kurzfristig gut anfühlt, dir aber langfristig schadet, kann eine Passage aus dem Buch The Willpower Instinct von Kelly McGonigal helfen:

So instead of asking, “Do I want to eat this candy bar now?” ask yourself, “Do I want the consequences of eating a candy bar every afternoon for the next year?” Or if you’ve been putting something off that you know you should do, instead of asking “Would I rather do this today or tomorrow?” ask yourself, “Do I really want the consequences of always putting this off?”

Eines sollte bei Langzeitdenken ebenfalls nicht vergessen werden: Wo deine langfristige Entwicklungskurve hinzeigt, ist entscheidender als der aktuelle Status. Der ultimative Profi des Langzeitdenkens ist Jeff Bezos. Eine seiner Lebensweisheiten ist:

„If unsure what action to take, let your 80-year-old self make it.“

Langfristiges Denken hilft dir in allen Lebenslagen. In diesem Artikel widmen wir uns speziell den persönlichen Finanzen…

Was bedeutet langfristiges Denken für Versicherungen (inkl. konkreter Kalkulationen)?

#1

Starten wir mit der Krankenzusatzversicherung

Langzeitdenken und Krankenversicherung

Bei der Krankenzusatzversicherung gibt es für den stationären Bereich (=du bist über Nacht im Krankenhaus) einen sogenannten Optionstarif. Dieser Optionstarif zeichnet sich durch folgendes aus:

  • Er friert deine Gesundheit ein. D.h. du bist für diesen Vertrag für immer so “gesund” wie du aktuell bist.
  • Er friert dein Alter ein. D.h. du bist für immer so alt/jung wie du es aktuell bist (mehr dazu später).
  • Du bist im Falle eines Unfalls (und bei manchen Anbietern auch bei schweren Erkrankungen) bereits Sonderklasse versichert.
  • Er gibt dir das Recht, dass du auf einen vollen Tarif umsteigst (meist 1x jährlich). 

Was passiert aus finanzieller Sicht?

Sagen wir du bist 28 Jahre alt. Ein Optionstarif kostet dich aktuell ca. 21 € monatlich. Ein voller stationärer Tarif würde dich mit 28 Jahren ca. 75 € monatlich kosten. Das ist unter der Annahme, dass du komplett gesund bist. Je nach Vorerkrankung kann die Prämie auch teurer werden (Anmerkung: Das muss aber nicht der Fall sein. Wirkliche Gewissheit hat man nur nach Prüfung durch die Gesellschaft. Die Prüfung ist übrigens kein Arztbesuch, sondern ein Gesundheits-Fragebogen, den du ausfüllst).

Wenn du einen Optionstarif hast und 15 Jahre später auf den vollen stationären Tarif umsteigst, dann ändert sich preislich nichts für dich – du bezahlst die ca. 75 € (+ Indexanpassungen). 

Was würde dich jetzt aber ein voller Tarif kosten, wenn du KEINEN Optionstarif hattest?

Nehmen wir mal an dir ist gesundheitlich gar nichts passiert. Du bist genau so fit, wie du vor 15 Jahren warst. Aufgrund deines Alters kostet dich ein voller Tarif jetzt allerdings nicht 75 €, sondern 103 € monatlich. 

Wenn wir die Kosten des Optionstarifs gegenrechnen, dann sehen wir, dass wir bisher 3.780 € bezahlt haben. Ohne Optionstarif hatten wir keine Kosten. Allerdings bezahlen wir ab jetzt mit dem vollen Tarif 28 € mehr pro Monat. Es dauert also 135 Monate (ein bisschen mehr als 11 Jahre) bis wir jedes Jahr mehr bezahlen. Wenn wir 90 Jahre alt werden, kostet uns der nicht abgeschlossene Optionstarif mehr als 12.000 € über unsere Lebenszeit. 

Eines ist dabei vor allem nochmals zu bedenken:

Diese Berechnung ist noch immer mit der Annahme, dass wir mit 28 genau so fit sind, wie mit 43 und wir gar keine gesundheitlichen Themen hatten. D.h. der “Wert” der Versicherung an sich ist hier nicht mal berücksichtigt. Leider zeigt mir die Erfahrung der letzten +10 Jahre, dass das illusorisch ist. Nicht nur bei mir selbst, sondern vor allem durch die Beratung von hunderten Klienten in den letzten Jahren.

Weiters nehmen wir an, dass sich an den Krankenzusatzversicherungstarifen in den 15 Jahren nichts verändert hat. Auch das ist nicht richtig. In einem Zeitraum von 15 Jahren kannst du für Neutarife mit mindestens ein bis zwei (eher zwei) signifikante Preiserhöhung rechnen. Die letzten großen Veränderungen waren die Rechnungszinsminderung 2021, die sich in ca. 5-8 % Mehrprämie ausgewirkt hat oder davor die Unisex-Umstellung, die für Männer eine deutliche Steigerung der Prämie nach sich zog (und leider für Frauen keine Besserstellung). Wir sprechen also eher von 15.000 bis 20.000 € was uns der nicht abgeschlossene Optionstarif kostet – und das noch immer unter der Annahme, dass wir gesundheitlich mit 43 Jahren so fit sind wie mit 28 Jahren.

Falls du dir also gedacht hast, dass man bei der Rechnung oben ja noch die Barwerte verwenden muss, um die komplett richtigen Werte zu erhalten. Nein, das kannst du dir sparen. Denn die Kombination aus gesundheitlichen Themen und Preisänderungen aufgrund von Tarifänderungen ist eine Preislotterie, an der du nicht teilnehmen solltest.

Wenn du jemals eine Krankenzusatz haben möchtest, dann ist der beste Zeitpunkt jetzt in diesem Moment

Nein, du musst nicht sofort jetzt online eine abschließen. Aber du solltest nicht 3 Jahre warten. Sprich am besten mit uns und starte deine Finanzplanung. Nicht jede Versicherungsgesellschaft sichert dir dein Alter zu 100 % ab und nicht jede Versicherungsgesellschaft friert den aktuellen Tarif für dich ein. Darauf gilt es bei Abschluss zu achten. 

Die Krankenzusatz ist ein Paradebeispiel für langfristiges Denken. Wenn du jung bist, brauchst du sie (hoffentlich) nicht. Du schließt sie in Wahrheit aber auch nicht für dein Ich im Hier und Jetzt ab, sondern für dein Ich in 20, 30, 40+ Jahren. Im Grunde ist der Optionstarif wie ein Odysseus-Pakt – allerdings mit mehr Flexibilität (das ist in dem Fall gut).

Für mehr Informationen warum eine Krankenzusatz zu empfehlen ist, kann ich dir unseren ultimativen Guide zu dem Thema ans Herz legen.

Den Guide kannst du hier downloaden

Dort erfährst du alles was du zum Thema Krankenzusatzversicherung wissen musst.

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#2

Als nächstes betrachten wir die Berufsunfähigkeitsversicherung 

langzeitdenken und berufsunfähigkeitsversicherung

Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Krankenzusatz. Prämientechnisch relevant sind dein Beruf, dein Alter, deine Gesundheit und deine Hobbies. Wenn du einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung hast, dann ist all das ebenfalls für immer eingefroren. D.h. du musst keine gesundheitlichen Veränderungen nachmelden, du musst nicht bekanntgeben, dass du inzwischen regelmäßig Mountain-Bike Downhillrennen fährst oder dass du dich beruflich Richtung Sprengmeister entwickelt hast.

Wann ist also der beste Zeitpunkt eine BU abzuschließen?

Jetzt. Nein, eigentlich vor 5 Jahren… Einfach so bald wie möglich. Wie sagt ein chinesisches Sprichwort so schön: Der beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt.

Nehmen wir an du bist 26 und studierst Wirtschaft (BWL oder Wirtschaftswissenschaften oder etwas Ähnliches). Beruflich bist du noch nicht sicher, wo es nach dem Studienabschluss hingehen soll. Wenn du jetzt eine BU abschließt (und ja, es wäre dann bis zum Jobstart dein “Beruf” als Student versichert), dann kosten dich 1.000 € monatliche Rente bis 60 beim aktuellen Bestanbieter ca. 24 € monatlich.

Was könnte passieren, wenn du wartest?

Frau wartet

A) Du nimmst einen Job als Marketingassistent an und möchtest dich jetzt versichern.

Was kostet dich die BU? Ca. 37 € monatlich, denn der Marketingassistent ist deutlich schlechter eingestuft. Natürlich könntest du dich jetzt ärgern, lamentieren und ins Feld führen, dass dein Risiko doch nicht anders ist. Das mag auch stimmen – doch die Einstufung ist trotzdem so.Kann das auch in die andere Richtung gehen? Könnte dein Beruf deutlich günstiger werden? In dem theoretischen Beispiel eher nicht, da die Studenteneinstufung für Wirtschaftswissenschaften eine der besten Einstufungen ist. Und wenn doch, kannst du die Einstufung anpassen, wenn gesundheitlich nichts passiert ist (dazu gleich später mehr).Natürlich wird nicht in jedem Fall die BU um so viel teurer. Manchmal bleibt der Preis gleich. Das Warten hat vor allem ein Problem, das im Fall der Fälle noch dramatischer ist…

B) Bei dir passiert vielleicht gesundheitlich etwas.

Nein du hast kein Deja-vu, das ist ähnlich wie bei der Krankenzusatz. Jetzt wollen wir mal nicht gleich davon ausgehen, dass du berufsunfähig wirst. Aber sagen wir aufgrund von Stress, Corona-Krise & Co hast du ein paar Mal mit einem Psychologen gesprochen. Damit du das auch bei der Krankenkasse einreichen kannst, hat der Psychologe auch eine Diagnose auf die Rechnung geschrieben. Du musst jetzt leider relativ sicher davon ausgehen, dass bei dir psychische Themen bei der BU nicht mehr mitversichert werden.

Ist das teilweise unverständlich? Ja. Ist das mühsam? Ja. Kannst du es ändern? Nein.

Es bringt dir auch nichts dann keine BU zu machen und auf die Versicherungsgesellschaften beleidigt zu sein. Berufsunfähigkeit ist ein existenzbedrohendes Risiko, das du unbedingt absichern solltest – ob mit oder ohne der Absicherung von psychischen Erkrankungen. Falls du dich gerade fragst, ob die Prämie dann günstiger wird, dann muss ich dich leider enttäuschen. Ein Ausschluss macht den Vertrag nie günstiger. Es muss auch nicht immer ein Ausschluss sein. Vielleicht möchte die Versicherungsgesellschaft aufgrund gesundheitlicher Themen einen Zuschlag verrechnen. Das startet meist bei 25 % und ist nach oben hin offen. Aber selbst bei “nur” 24 € machen 25 % dann 6 € Zuschlag aus. Natürlich könntest du jetzt eingeschnappt sein und auf die BU verzichten. Damit schadest du aber nur dir selbst.

Im worst-case kann es übrigens sein, dass du gar nicht mehr versichert wirst.

Du brauchst jetzt aber nicht in Panik verfallen, falls bei dir gesundheitlich schon etwas vorgefallen ist. Einerseits, weil du es sowieso nicht mehr ändern kannst und es deshalb vergeudete Energie ist sich darüber zu sorgen. Anderseits machen wir für unsere Klienten in diesem Fall Risikovoranfragen bei allen Top-Versicherern, um zu sehen wer das beste Angebot liefert. So kommen wir dann hoffentlich trotzdem zu einer vernünftigen Lösung.

C) Ähnlich verhält es sich mit Hobbies.

Wenn du Anfänger beim Klettern bist, dann musst du noch nichts beachten. Wenn du die BU aber 5 Jahre später machst und inzwischen regelmäßig Klettersteige D und E gehst und du sowas wie der Padawan von Reinhold Messner bist, dann wird das zwar noch versicherbar sein, aber es wird mehr kosten (üblicherweise sprechen wir hier im konkreten Fall von 25- 100 % Zuschlag).

Dein Alter wirkt sich, wie schon erwähnt, auch noch auf die Prämie aus – in dem Fall aber nicht so extrem wie bei der Krankenzusatz. Aufgrund der vorherigen drei Punkte ist aber auch bei der BU langfristiges Denken angesagt.

Aber was ist, wenn du gerade frisch in den Job gestartet bist oder nur 20 Stunden arbeitest und die Kosten noch geringhalten möchtest?

Dann sage ich es jetzt mal ganz direkt: Eine BU kostet wie oben beschrieben zum Beispiel 24 € monatlich. Das sind 288 € im Jahr oder 0,78 € pro Tag. Auf die sollte es nicht ankommen. Auf die wird es nicht ankommen. Auf die darf es nicht ankommen. Die (möglichen) langfristigen Konsequenzen die BU zu verschieben sind viel schlimmer. Wenn es also eine falsche Stelle gibt, um zu sparen, dann ist das hier. Bei deinem Auto sparst du auch nicht den Sicherheitsgurt, bei deiner Wohnung die Schlösser in den Türen oder bei deinem Fahrrad den Sattel. Also bitte spare auch nicht bei der BU-Versicherung. Neben der Privathaftpflichtversicherung und der Unfallversicherung gehört sie zu den existenzbedrohenden Absicherungen, die du unbedingt haben solltest.

#3

Macht langfristiges Denken auch für andere Versicherungen Sinn?

Langzeitdenken und Versicherung

Langfristiges Denken gilt so ziemlich für jede Versicherung. Was bringt dir ein Jahr zu warten, wenn dann der Versicherungsfall vielleicht schon eingetreten ist oder du nur mehr mit Zuschlägen einen Vertrag bekommst. 

Du musst für dich selbst entscheiden welche Versicherung du unbedingt haben möchtest und dann die beste Variante, mit den aktuell besten Konditionen abschließen. Zu warten ist in den meisten Fällen absolut unlogisch. Wenn du beispielsweise eine Privathaftpflichtversicherung verschiebst, dann sparst du dir vielleicht 40-50 € im Jahr. Das ist das best case Szenario. Das worst-case Szenario ist der Privatkonkurs. 

Du solltest dich auch von dem Gedanken “Das kostet mir nur Geld und ich brauche eh keine Versicherungen” trennen. Eine Versicherung soll dich vor finanziellen Super-GAU-Szenarien schützen. Du bezahlst einen Preis für die Abwälzung eines Risikos. Also STOPP mit dem Gedanken: “Aber rechnet sich das?”. 

Falls du das liest und gerade Angst hast bei uns einen Termin zu machen, weil du glaubst du musst dann Dinge abschließen oder wir nerven dich damit. Die Angst kann ich dir nehmen. Jede Person muss für sich selbst entscheiden welches Risiko sie absichern will und welches nicht. Wichtig sind dabei allerdings das echte Risiko und die Konsequenzen einmal durchzudenken und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen. “Meine Kollegen haben das auch nicht” oder “Mir passiert das eh nicht” sind keine fundierte Entscheidungsgrundlage, kein Durchdenken oder schlaues Vorgehen. 

Ruf dir kurz nochmal Naval in Erinnerung:

„My definition of wisdom is knowing the long-term consequences of your actions.“ 

Die langfristigen Konsequenzen deines Handelns kannst du aber nur wissen, wenn du wirklich intensiv nachdenkst und dich nicht auf Hörensagen verlässt.

Aber genug über Versicherungen. Sprechen wir über…

Was bedeutet Langzeitdenken für deine Geldanlage und Vorsorge?

Langzeitdenken Geldanlage
rabbithole

Ich möchte aber ein Thema aufgreifen, das in der täglichen Beratung immer wieder aufpoppt. Wenn jemand bereits ein bisschen Geld angespart hat, dann höre ich häufig als Erstes: “Ich will das Geld, das aktuell am Konto liegt, sinnvoll für ein paar Jahre veranlagen.” 

Der Gedanke ist verständlich. Aber die Veranlagung für ein paar Jahre sollte NICHT Priorität Nummer 1 sein. Das hat mehrere Gründe:

  • A) Du benötigst ausreichend Zeit, um vernünftig anzulegen.

Wenn du nur 4 Jahre Zeit hast, dann solltest du dein Geld nicht investieren. Wenn du monatlich sparst, solltest du noch mehr Zeit einplanen. Denn wenn du vorhast in zum Beispiel 6 Jahren Haus zu bauen, dann muss dir eines bewusst sein: Wenn du monatlich sparst, legst du NUR deine allererste Monatsrate für 6 Jahre an. Die monatliche Ansparung, die du 3 Jahre später machst, hat schon nur mehr einen Anlagehorizont von 3 Jahren. Je kürzer die Anlagezeit, desto weniger kannst du Anlagen mit größerer Schwankung verwenden.

In Niedrigzinsphasen ist es aber zwingend notwendig zumindest eine gewisse Schwankung zu akzeptieren – ansonsten erzielst du keine sinnvolle Rendite. Deshalb macht eine Anlage unter fünf Jahren in 99 % der Fälle keinen Sinn. Ich empfehle inzwischen bei monatlicher Sparrate mindestens 8 Jahre Anlagehorizont für jegliche Veranlagung. Langfristiges Denken ist auch bei der mittelfristigen Anlage essenziell 😉 Für Details zu den Anlagehorizonten empfehle ich dir unseren Artikel Das 3-Topf-System der Geldanlage Oder: Wann du wirklich über Geldanlage nachdenken solltest.

  • B) Die langfristige Veranlagung sollte im Vordergrund stehen.

200 € monatlich zu sparen über 5 Jahre wirft bei einer Rendite von 5 % ca. 1.700 € Gewinn ab. Über 40 Jahre sprechen wir von über 210.000 € Gewinn. Bei der langfristigen Anlage kannst du offensiver anlegen und musst dir über Schwankung gerade zu Beginn praktisch keine Gedanken machen (Lies dazu unseren Artikel Über vorübergehende und endgültige Verluste bei der Geldanlage: Warum du das Stockdale-Paradox und Investment-Wu Wei brauchst). Du brauchst das Geld nicht in 3 Jahren, sondern in +30 Jahren. Psychologisch ist es ebenfalls von Vorteil früh zu starten und Geld langfristig abzuzweigen. Je früher du beginnst, desto weniger tut es “weh”.

Das gilt dann auch für Erhöhungen deiner langfristigen Sparrate: Einen Teil deiner Gehaltserhöhungen automatisch langfristig zu sparen ist eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie. In dem Fall spürst du im täglichen Leben praktisch nichts. Ich empfehle als Pauschalregel ein Drittel der Gehaltserhöhung für die langfristige Anlage zu verwenden. Je nach Einstellung kannst du diesen Wert auch erhöhen oder senken.

Das bedeutet nicht, dass du die mittelfristige Anlage völlig ignorieren solltest. Doch zuerst solltest du dich darum kümmern, dass deine Basis abgesichert ist und du langfristig sparst. 

Wie kannst du sicherstellen, dass du in so vielen Situationen wie möglich auf langfristiges Denken und nicht auf kurzfristiges Denken zurückgreifst?

Männchen springt von großer Glühbirne auf kleine

Unser Verstand bzw. Gehirn ist nicht auf Langzeitdenken ausgerichtet. Unsere Vorfahren mussten auf kurzfristige Bedrohungen reagieren – egal ob das der Leopard im Gebüsch oder der benachbarte Klan war. Aus evolutionärer Sicht ist es deshalb verständlich, dass wir eher kurzfristig als langfristig denken.

Das bedeutet aber nicht, dass wir nichts dagegen machen können. 

Hier sind ein paar Vorschläge wie du langfristiges Denken so oft wie möglich einsetzen kannst:

#1: Versuche immer über first, second und third order Konsequenzen nachzudenken. Ich habe darüber bereits geschrieben: Finanzielles first level thinking und seine verheerenden Auswirkungen. Wenn du das zu einer Gewohnheit machst, denkst du automatisch langfristig.

#2: Erinnere dich an das Zitat von Kelly McGonigal.

“Do I want the consequences of eating a candy bar every afternoon for the next year?” Im gleichen Buch beschreibt sie einen Denkprozess um den Drang der “instant gratification” vorzubeugen:

a) Wenn du in Versuchung bist gegen deine langfristigen Interessen zu handeln, dann formuliere deine Entscheidung so, als ob du die bestmögliche Belohnung für die sofortige Befriedigung aufgibst.
b) Stell dir vor, dass der langfristige Vorteil bereits dir gehört und dein zukünftiges Ich bereits davon profitiert.
c) Dann stell dir die Frage: Bist du bereit diesen Vorteil aufzugeben, für das was dich jetzt gerade in Versuchung führt? Wenn du das nächste Mal in Versuchung bist kurzfristig zu handeln, dann spiele die Situation anhand dieses Denkprozesses durch.

Wenn’s um “Einkaufen & Shopping” geht, stelle ich mir zum Beispiel immer dieselben 3 Fragen – welche das sind kannst du im Artikel Soll ich mir das kaufen? 3 Fragen die du dir vor jeder Anschaffung stellen solltest 😉 nachlesen.

#3: Sei dir bewusst darüber, dass manche Entscheidungen kurzfristig weh tun, aber langfristig immensen Nutzen stiften. Wenn dir das bewusst ist, dann können langfristige Entscheidungen außerordentlich befriedigend sein, auch wenn es kurzfristig schmerzt. Dazu musst du aber darüber nachdenken und dich zwingen wirklich langfristig zu denken, um zukünftige Probleme zu eliminieren. Auch wenn es sonst niemand macht.

Als Unterstützung habe ich ein Zitat von Warren Buffett für dich:

„It took Noah 20 years to build an ark. And people said he was being silly because the skies were beautiful. And of course, the whole time, he looked stupid- until it started raining. You can spend a long time building an ark while everybody else is out there enjoying the sun.“

Wenn deine Freunde, Bekannten oder Verwandten also eine BU-Versicherung, Krankenzusatz oder langfristige Anlage für unnötig halten, dann ignoriere sie. Denn wenn die Sintflut kommt, bist du auf sie vorbereitet. 

Je mehr du über Langfristigkeit nachdenkst, desto besser werden deine Entscheidungen. 

Bei manchen Themen macht es vermutlich Sinn einen Odysseus-Pakt einzugehen, um zu garantieren, dass du dein zukünftiges Ich nicht durch kurzfristiges Denken schädigst. Wie und was du persönlich machst, liegt in deine Entscheidungsgewalt. 

Wenn dieser Artikel dazu beiträgt, dass du auch nur ein bisschen langfristiger denkst, dann hat er seinen Job gemacht. Ich hoffe du musstest dich nicht festbinden lassen, um bis zum Ende alles durchzulesen 😉

Deine nächsten Schritte

1. Wenn du wissen willst, was du für deine persönlichen Finanzen unbedingt beachten musst, dann hol dir unseren ultimativen Finanzplanungsguide für Uni- und FH-Absolventen. 

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Autor: Florian Märzendorfer

Fan von indischem Essen, Finanzplaner & Co-Founder von FiP.S.

Hasst Strandurlaube & verabscheut Beistrichregeln.

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